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Reiseberichte 

 

Schottland 2019 - Schottenrock und Dudelsack ...

(Teil 3 - Der Nordosten) 

 

Kuchl (A) - A8 (D) - A13 (L) - Brügge (B) - Dünkirchen (F) - Dover (GB) - Gretna Green (SCO)  - Caerlaverock Castle - Sweetheart Abbey - Glasgow - Stirling Castle - Doune Castle - Loch Lomond - Rest and Be Thankful - Invernaray - Glen Etive - Glen Coe - Harry-Potter-Bridge (Glenfinnan Viadukt) - Mallaig -Isleornsay - Fairy Pools - Talisker Distillery - Neist Point Lighthouse - Loch Mor - Duntulm Castle - Kilt Rock - Old Man of Storr - Sligachan Old Bridge - Eilean Donan Castle - Falls of Measach - Ullapool - Kyle of Durness - Nordküste - Harkilk (Highland Games) - Dunnet Head Lighthouse - John o' Groats - Dunrobin Castle - Chanonry Point - Loch Ness

 


 
19. Juli bis 6. August 2019  6346 km
    
 Übersicht  
1. Etappe2. Etappe3. Etappe4. Etappe5. Etappe
Die Anfahrt und der WestenIsle of Skye und der NordwestenDer NordostenDer OstenEdinburgh und Heimfahrt
(2631 km)(580 km)(448 km)(621 km)(2066 km)
     

3. Etappe - Der Nordosten:

27.07. - 28.07.2019

Bilder: 3. Etappe

Kyle of Durness - Nordküste - Harkilk (Highland Games) - Dunnet Head Lighthouse - John o' Groats - Dunrobin Castle - Chanonry Point - Loch Ness (448 km)

Schottland 2019 - 3. Etappe
(zum Vergrößern auf die Karte klicken ...)
 
Tag 9Sa. 27.07.2019
Vormittag:
Bewölkt
+ 23° C
Nachmittag:
Leicht bewölkt
+ 25° C
Reisezeit: 09:15 - 18:30 UhrKyle of Durness - Nordküste - Halkirk (Highland Games) - Dunnet Head Lighthouse
Reisezeit: 9 Stunden 15 Minuten3211 - 3402 km (191 km)
Gestern bei der Ankunft hier in Kyle of Durness hatte ich keine Ahnung, wo ich momentan wirklich bin. Nach der herrlichen Sonnenuntergangsstimmung begann es so richtig zu geschüttet und die Fahrt auf den engen Straßen und bei schlechter Sicht war nicht wirklich lustig. Heute Morgen lässt der Regen Gott sei Dank langsam nach und ich kann die nähere Umgebung erkunden ...

Wir befinden uns im Kyle of Durness - einem 8 Kilometer langem Küstenarm an der Nordküste Schottlands. Keoldale Green wird die riesige Bucht auch genannt, die bei entsprechender Ebbe zu einer riesigen Sandbank werden soll. Schön langsam wollen wir aber weiter - unser heutiger Plan: Gemütlich an der Nordküste entlang und am Nachmittag zu den Highland Games nach Halkirk - das habe ich ihm Internet gefunden und das will ich mir unbedingt ansehen ...

Es ist eine schöne Fahrt entlang der Nordküste Schottlands. Es wird langsam schöner, zwar lässt sich die Sonne noch nicht sehen, aber zumindest regnet es nicht mehr. Wir bleiben öfters stehen: Türkisgrünes Meer, urige Felsformationen, dann wieder feinster Sandstand, neugierige Möwen und ebensolche Ehefrauen, ein ehemaliges Atomkraftwerk (Dournray), alte Friedhöfe, Kirchenruinen, verwunschene Häuser und vieles mehr erkunden wir auf unserer Entdeckungsfahrt ...


Und dann sind wir endlich in Halkirk. Kennt das wer? Nein - macht nichts. Auf jeden Fall findet heute, hier und da die Halkirk Highland Games 2019 statt - und das wollte ich unbedingt sehen.
Es gibt ein paar Sachen, die ich unbedingt einmal in meinem Leben quasi erleben will und einmal bei einen, der vielen Highland Games in Schottland dabei zu sein, gehört definitiv dazu. Es war zwar gar nicht so leicht umzusetzen (entweder das Datum passte nicht oder die Games waren viel zu weit weg ...) - aber jetzt ist es soweit: Wir sind in Halkirk und werden nun die Spiele besuchen ...
Wir parken auf einer großen Wiese, die Wolken lichten sich und Sonja und ich traben voller Erwartung auf die hiesige Sportanlage zu ....
Dudelsäcke an allen Ecken, Spiel- und Verkaufsbuden, Fahrgeschäfte, Versorgungszelte, Verkaufsstände, eine große ovale, abgesperrte Wiesenfläche auf der die verschiedenen Wettkämpfe, wie Tanzbewerbe, Rad- und Laufrennen, Musikbewerbe, Kinderbewerbe und natürlich die Heavies-Bewerbe, wie Baumstamm- und andere schwere Dinge durch die Gegend schmeißen, Farmers Walk und vieles mehr stattfinden ...
Kurz gesagt: Ein großes Dorffest, wo ca. 3000 mehr oder weniger schottisch gekleidete Menschen auf den Socken sind ...
Also mir gefällt es und das nicht nur wegen dem ausgezeichneten schottischen Rind und dem ebensolchen Bier: Es ist ein buntes Treiben mit lauter freundlichen Leuten. Die Tanzbewerbe in allen Altersklassen ziehen sich über den ganzen Tag und scheinen eine Mischung aus klassischem Ballett mit folkloristischem Hintergrund zu sein ...
Sehr spannend die verschiedenen Radbewerbe rund um das Oval.
Highlights sind sicherlich die Heavies mit ihren schwergewichtigen Wettkämpfen. Unvorstellbar welche Gewichte sie durch heben, stemmen und durch die Luft wirbeln ...


Auch Sonja gefällt es und das nicht nur wegen der muskelbepackten Männer. Man kann sich unauffällig unter die Leute mischen und ein bisschen die schottische Seele studieren und die allseits bekannte Frage über die vorhandene oder nicht vorhandene Unterwäsche unter dem Kilt scheint zumindest für diese sportlichen Highlander geklärt ...
Zwischengeschichtl - Der Brexit ...:
Wie vieles im Leben interessiert mich Politik ebenfalls sehr. Allerdings halte ich mich öffentlich - also quasi auf meinen Internetseiten - aus Diskussionen tunlichst heraus. Darum sei zum britischen Brexit nur soviel gesagt, dass ich die Briten nicht verstehe. Wenn ich so nachdenke, verstehe ich auch die Amerikaner nicht, die ihren Präsidenten ... - Stopp !!! Ich wollte mich ja aus der Politik heraus halten ...

Jetzt haben wir auf unserer bisherigen Rundfahrt aber schon den Eindruck gewonnen, dass die Schotten dem Ausstieg aus der EU nicht sehr viel abgewinnen können. Zumindest haben sich die Schotten, mit denen wir gesprochen haben, eindeutig über die Engländer geäußert. Hier in Halkirk ist mir ein blauer Stand aufgefallen, auf dem groß YES und: "Any questions - Pleas just ask" stand. Neugierig wie ich nun mal bin, habe ich mich bei den netten Schotten erkundigt, für oder gegen was sie hier stehen ...

Als ich ihre Frage nach meiner Herkunft mit Österreich beantwortete, kannte ihre Begeisterung keine Grenzen mehr: Österreich - super, Schottland - super, EU - super --- Brexit gar nicht super und Boris Johnson sowieso ganz sch.....
Ich habe dann ihre Liste - auf der geschätzte 100 Hackerl für und genau 6 gegen Boris waren - ebenfalls unterzeichnet, habe aus Solidarität mit ihnen und dem ausgezeichneten, schottischen Whisky Bruderschaft getrunken und meinen neuen schottischen Freunden versprochen, auf meiner Homepage für ihr Anliegen zu kämpfen - was ich hiermit erfüllt habe ...
 
Highland Games in Halkirk



Nur schwer können wir uns von den Highland Games in Halkirk trennen, aber wir wollen noch zum nördlichsten Punkt der britischen Insel - nach Dunnet Head. Also rein ins Wohnmobil und zurück an die Küste ...



Schon bei der Anfahrt sehen wir wieder eine teilweise beeindruckende Küste und natürlich - wie immer - viele Schafe ...
Die gut 30 Kilometer lange Fahrt geht über enge Straßen nach Thurso und Castletown und danach zum Leuchtturm hoch ...
Wir sind am Ende!

NEIN - nicht am Ende unserer Kräfte oder am Ende unserer Reise - nein, wir sind am nördlichsten Ende von Schottland und es ist wunderschön hier. Das Wetter, die Aussicht (wir sehen über den Pentland Firth rüber bis zu den Orkney-Inseln) und die Landschaft!

90 Meter steil stürzen die Klippen ins tosende Meer hinab und bei einem Spaziergang sehen wir unsere ersten Papageientaucher an Land und bizarre Felsennadeln, die aus dem Meer ragen, wie unheimliche Riesen ...
Die Duncansby Stacks ...
Schön, schöner, am Schönsten ...
Unser Womo steht am Parkplatz vor dem Leuchtturm, der übrigens nicht zu besichtigen ist. Hier übernachten Wohnmobil-Besatzungen aus Finnland, England, Italien, Deutschland, Norwegen und Frankreich und alle genießen den romantischen Sonnenuntergang ...
... und das ist genau so ein Punkt, warum wir mit dem Womo unterwegs sind ...
 
Parkplatz Dunnet Head Lighthouse 
asphaltiert
kostenlos
Dunnet Head Halbinsel - nördlichster Punkt auf der britischen Insel
GPS: N 58,67043°   W 3,37661°
Bilder: 27.07.2019
 
Tag 10So. 28.07.2019
Vormittag:
Wechselhaft
+ 21° C
Nachmittag:
Leicht bewölkt
+ 22° C
Reisezeit: 10:18 - 19:25 UhrDunnet Head Lighthouse - Dunrobin Castle - Chanonry Point - Loch Ness
Reisezeit: 8 Stunden 7 Minuten3402 -3514 -3604 -3659 km (257 km)
Völlig entgegen meiner ursprünglichen Natur und sonstigen Gepflogenheiten entwickle ich mich auf unseren Reisen immer mehr vom eklatanten Morgenmuffel zum Frühaufsteher ...

Aber, wenn es so schön ist, wie hier am Dunnet Head kann man fast gar nicht anders, als raus und der Küste entlang, obwohl das Wetter eher wieder auf bewölkt umgeschlagen hat.

Das macht aber den Schafen und mir überhaupt nichts aus und so genieße ich den morgendlichen Spaziergang und sehe sogar ein paar Seehunde .
Sonntagsfrühstück mit einem perfekten Ei im Glas lässt die Wohnmobilseele noch einmal jubeln ...
Anschließend fahren wir nach John o' Groats, das wegen dem Ende der End to End Route - oft als der letzte Punkt Schottlands bezeichnet wird, aber nur der nordöstlichste Punkt in Wirklichkeit ist ...

Aber genug der Haarspaltereien -  außer man will zu den Orkney-Inseln - kann man sich den Besuch hierher wirklich sparen ...
Deshalb fahren wir bei anscheinend, richtig schottischem Wetter weiter in Richtung Dunrobin Castle an der Ostküste Schottlands ...
Dunrobin Castle
GPS: N 57,98442°   W 3,94709°
Dunrobin Castle ist nicht nur Stammsitz des Earl of Sutherland, sondern mit 189 Zimmern das wohl größte Wohngebäude in den nördlichen Highlands.

Es erinnert uns eher an die Schlösser der Loire, als an die bisherigen, oft verfallenen Burgruinen Schottlands. Und auch das Motto vom Glan Sutherland lautet: SANS PEUR - franz.: ohne Angst - und erscheint auch so im Glan-Wappen ...


Wir haben natürlich auch keine Angst und betreten das schöne Schloss und machen einen langen Rundgang durch viele, schön erhaltene Zimmer, genießen bei - inzwischen wieder warmen Sonnenstrahlen den schön angelegten Garten, schauen im Gartenmuseum in viele tote Augen von erschossenen Tieren und freuen uns dann wieder mehr über eine Falknereivorführung ...
 
 
 
Dunrobin Castle
Dunrobin Castle - aus unserer Sicht also absolut empfehlenswert. Unseren nächsten Tipp haben wir von deutschen Freunden bekommen, die uns Chanonry Point empfohlen haben - hier kann man, mit einigem Glück Delphine beim Jagen zusehen ... 
Hier sollen in dieser Meerenge des Moray Firth Delphine jagen. Zum Beispiel Lachse - beste Zeit im Frühjahr und Sommer soll so eine Stunde nach Ebbe sein.
Wir erkundigten uns daher im Internet über die Gezeiten hier: LINK
und dann nichts wie los - die Zeit wird knapp, um die ca. 90 Kilometer von Dunrobin Castle bis zu den Delphinen rechtzeitig zurück zu legen ...

Chanonry Point         GPS: N 57,57368°   W 4,09403°
Als wir den Parkplatz am Chanonry Point erreichen, ist er bummvoll ....
Ich schicke Sonja los - vielleicht hat sie Glück und sieht die Delphine. Währenddessen ich im Wohnmobil mit angespannten Nerven auf einen freien Parkplatz lauere ...
 
Nach 15 Minuten habe ich Glück - ich kann es kaum fassen und quetsche mich auf einen freigewordenen Parkplatz, nehme meine Füße in die Hand und sprinte vorbei am Leuchtturm zum Strand - wo sicherlich über hundert Menschen nicht auf mich - aber auf die Delphine warten ...
Sonja kommt mir schon entgegen - schnell, schnell - sie sind gerade aufgetaucht. Schneller geht aber einfach nicht mehr. Völlig außer Atem erreichen wir den Strand und keine 20 Meter oder so vor uns sehen wir sie ...

Delphine in freier Wildbahn beim Jagen. Ein Erlebnis sondergleichen. Nachdem sich mein Puls und mein Atem wieder beruhigt hat, versuche auch ich, die bemerkenswerten Tiere mit meiner Kamera einzufangen - gar nicht so leicht. Das Wasser ist sehr wellig und die Delphine tauchen meistens nur kurz auf ...
 
Zwischengeschichtl - Reiseglück ..:
Während zwischen den einzelnen Delphinsichtungen so am Strand unter den vielen Zuschauern stehen, erzählt mir ein netter Brite (übrigens Brexitgegner), dass er schon zum vierten Mal hier am Channonry Point auf Delphine hofft und erst heute zum ersten Mal das unbeschreibliche Glück hat, welche zu sehen. Gestern erzählte mir ein Einheimischer, dass der Dunnet Head Leuchtturm normaler Weise meistens in einer fast undurchsichtigen, weißen Nebelwand steckt - wir hatten blauen Himmel und Sonnenschein ...

Ich denke mir oft, wir wissen gar nicht, wie glücklich und froh wir eigentlich sein sollten, dass wir das Alles erleben dürfen. Unvergleichliche Landschaften, egal wo in Europa - ein köstliches Essen auf der Insel Skye, die Highland-Games in Harkilk, Papageientaucher am Dunnet Head, ein gar wunderbares Weter für Schottland und jetzt die Delphine -

Die Welt und das Leben sind einfach schön ......

Ich glaube (vor lauter Aufregung habe ich nicht auf die Uhr geschaut ...) nach einer halben Stunde sind die Delphine wieder weg und auch die Leute verlassen den Strand. Sonja und ich bleiben noch ein bisschen sitzen - nach diesem aufregenden Tag, haben wir heute nicht mehr allzu viel vor.

Danach fahren wir über die Kessock Bridge - wo man übrigens auch Delphine beobachten kann - in Richtung Iverness - Loch Ness - mal schauen, wie weit wir heute noch kommen werden ... 
Das sagenumwobene Loch Ness empfängt uns vorerst wirklich mystisch und geheimnisvoll. So ein Seeungeheuer könnte man sich hier wirklich gut vorstellen ...

Später bemerken wir natürlich auch die Spuren des Tourismus, aber als Tourist über Tourismus zu jammern - wäre sicherlich auch nicht richtig ...

Wir suchen uns ein ruhiges Platzerl (Park4night) zum Übernachten etwas abseits der Hauptverkehrsströme an einem Sportplatz ...  
 
Loch Ness - Parkplatz neben Sportanlage
IV63 6WP Drumnadrochit
Schotter, Mistkübel
GPS: N 57,32983°   W 4,48041°
Bilder: 28.07.2019

Bilder: 3. Etappe -Der Nordosten
2. Etappe4. Etappe
 
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