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Reiseberichte 

Irland 2016: Forty Shades of Green    (Teil 4) 

Kuchl (A) - Dünkirchen (F) - Stonehenge (GB) - Lacock - Pembroke - Rosslare (IRL) - Hook Head - Waterford - Blarney Castle - Cobh - Jameson Whiskey - Mizen Head - Ring of Beara - Ross Castle - Ring of Kerry - Loop Head - Cliffs of Moher - Doolin - Ballyvaughan - Burren - Galway - Achill Island - Foxford - Knock - Benone Beach - Giants Causeway - Rope Bridge - Dark Hedges - Belfast (Titanic Museum) - Monasterboice - Port Oriel - Dublin - Wicklow Mountain - Clogga Beach - St. Hellen Pier - Heimfahrt - Kuchl  (6204 km)


22. Juli bis 10. August 2016  6204 km
    
 Übersicht  
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(1831 km)(711 km)(662 km)(747 km)( km)
     

4. Etappe - Der Norden von Irland:

01.08. - 03.08.2016

Bilder: 4. Etappe

 

 Achill Island - Foxford - Knock - Benone Beach - Giants Causeway - Rope Bridge - Dark Hedges - Belfast - Monasterboice - Port Oriel (747 km)
Irland 2016 
(zum Vergrößern auf die Karte klicken ...)
 
Tag 11Mo. 01.08.2016
Vormittag:
Sonnig
+ 19° C
Nachmittag:
Auflockerung
+ 20° C
Reisezeit: 10:25 - 20:18 UhrAchill Island - Foxford - Knock - Benone Beach
9 Stunden 53 Minuten3204 - 3289 - 3338 - 3596  km (392 km)

Zwischen-Reise-Resümee:
Heute haben wir Montag, den 1. August 2016. Seit einer Woche sind wir auf der grünen Insel und genau heute in einer Woche werden wir sie (leider) wieder verlassen. Wohl Zeit für ein kleines Zwischen-Resümee ...

Die Erwartungen nach meiner ersten Reise nach Irland ( 2008) haben sich voll erfüllt. Mit dem Wohnmobil ist das Reisen noch intensiver und aus meiner Sicht um einen Tick noch schöner als mit dem Mietauto. Die Stellplätze sowie die Landschaft sind ein Wahnsinn und so richtig nach unserem Geschmack. Die Leute sind wirklich nett und man kommt auch schnell mit ihnen ins Gespräch -wenn man will. Das Fahren auf Irlands Straßen erfordert zwar immer eine hohe Konzentration, ist aber ansonsten problemlos -zumindest bisher (drei Mal auf Holz geklopft ...). Die Tagesetappen sind gut gewählt und nicht anstrengend. Das Wetter ist eben so wie es ist, irisch halt und das passt so für uns. (Ich bin von Haus aus nicht aggressiv, aber wenn ich den englischen Tankwart, der mir mit seiner Aussage, dass in Irland 14 Tage Sauwetter herrschen würde und der mir damit fast die Laune verdorben hätte, noch einmal treffe, dann Gnade ihm Gott ... ;-)). Nach schlechten Erfahrungen mit dem englischen Essen (ist schon sehr lange her ...) sind wir vom guten irischen Essen positiv überrascht. Ansonsten genießen wir das gemeinsame Kochen mit irischen Produkten im Wohnmobil. Generell verläuft diese Irlandreise harmonisch rund und Sonja und ich genießen die Zweisamkeit in vollen Zügen.
Die Eindrücke sind also sehr vielfältig, vielleicht sogar für mich ein bisschen zu reichhaltig? Ich will Sonja alles zeigen, was ich schon kenne und viele neue Sachen sind auch dabei. Es gibt soviel zu sehen, wir erleben sehr intensiv Landschaft, Natur und Sehenswürdigkeiten - wenn man jetzt die vergangene Woche noch einmal vor dem geistigen Auge ablaufen lässt, muss man sich schon sehr konzentrieren, damit einem alle Höhepunkte wieder einfallen. Sonja sieht das eher gelassen - alle Namen und Orte kann man sich bei so einer Reise sowieso nicht merken, daher genießt sie den Augenblick, das Jetzt und Hier und freut sich auf (hoffentlich) schöne Bilder und Erinnerungen.
In diesem Sinne werden wir in der kommenden Woche Nordirland und den Osten Irlands erkunden. Das Zeitfenster ist groß genug, wir brauchen nicht zu hetzen und können es weiterhin gemütlich angehen lassen. Die (landschaftlichen) Höhepunkte werden nicht mehr in so geballter Form auf uns zukommen, aber es gibt noch genug zu sehen und zu entdecken ...
In diesem Sinne genieße ich erst einmal diesen herrlichen Fleckchen Erde hier auf Achill Island, lasse mir unter freien Himmel den Morgenkaffee schmecken, schaue den bunt bemalten Schafen beim Grasen zu, lausche den leisen Wellen, die heute sanft an die Klippen branden, bewundere mit Sonja die immer wechselnden Wolkengebilde ...
Ich komme unweigerlich ins Schwärmen . ist es nicht schön auf dieser Welt ...
In der ansonsten ruhigen Nacht wurden wir plötzlich geweckt. Die freilaufenden Schafe haben sich an unserem Wohnmobil gerieben oder ein blindes Schaf war darunter, dass unser Womo gerammt hat. Ein kurzes Machtwort von mir und es war wieder Ruhe. Gestern habe ich einen Bauern, der mit seinem Hund vorbeikam gefragt, warum die Schafe so viele unterschiedliche Farben tragen. Das dient natürlich auf der einen Seite zu Kennzeichnung, quasi zu welchem Bauern welche Schafe gehören und auf der anderen Seite hat der Widder ein Päckchen Farbe umgeschnallt und so kann man später erkennen, welches Schafweiblein von welchem Schafmännlein liebestechnisch beglückt wurde. Gott sei Dank gibt es das bei uns Menschen nicht ...
Wir freuen uns noch einmal über die irische Küstenlandschaft, irische Schafe und irische Cottage (typische einstöckige Häuser). Wirklich irische Häuser? Gestern hat mir der Bauer mit Hund erzählt, dass es sehr viele (ca. 350.000) leerstehende Häuser in Irland gibt. Viele werden an reiche Engländer und Schotten verkauft, die sich hier Zweitwohnungen einrichten. Das treibt die Grundstückspreise wieder in die Höhe, was wiederum dazu führt, dass sich die Einheimischen einen Grundkauf fast nicht mehr leisten können. Ein deutscher Wohnmobilfahrer hat mir ebenfalls gestern das Gleiche über Schottland erzählt. Überall die selben Probleme ...
Das Wetter wird etwas schlechter und es fängt nach einiger Zeit zu regnen an. Richtiger Regen, weil Nieselregen gilt laut Sonja nicht als wirklicher Regen. Aus diesem Grund verlassen wir Achill Island und fahren nach, ja wohin eigentlich?
Zuerst wird einmal gemütlich zu Mittag gegessen. Danach fahren wir "shoppen". Ja richtig, shoppen. So etwas muss Mann tun, wenn Frau mit an Bord und das Wetter nicht ganz ideal ist. Aber nicht einfach gewöhnliches Shoppen, es muss schon etwas Besonderes sein und zwar "Foxford Woollen Mills" ...
Foxford, eine kleine Stadt am River Moy gelegen, beherbergt im ehemaligen Kloster das "Foxford Woollen Mills Experience Center", in dem man eine kostenlose Besichtigungstour unternehmen kann, etwas essen oder köstlichen Kaffee mit ebensolchen Süßspeisen vertilgen und natürlich einkaufen kann: Es gibt hausgemachte Spezialitäten, Geschirr, Kunstgegenstände und selbstverständlich alles, was mit Wolle zu tun hat. Bei uns, besser gesagt bei Sonja wird es ein modischer Poncho aus feiner Merinowolle. Nicht ganz billig, aber mit einem kleinen Rabatt, weil wir den Reiseführer des Womoverlages mit dabei haben ...
Ca. 30 Kilometer südlich von Foxford liegt Knock (Hügel der Jungfrau Maria). Dieser Wallfahrtsort ist vielleicht bei uns weniger bekannt, gehört aber neben Lourdes, Fatima und Medjugorje zu den großen Marienheiligtümern Europas.
Am 21. August 1879 soll hier die Jungfrau Maria, in Begleitung ihres Gatten Josef sowie des Evangelisten Johannes insgesamt 15 Personen unterschiedlichen Alters erschienen sein. Papst Johannes II, Mutter Theresa und viele andere Pilger waren schon hier. Jährlich besuchen ca. 1,5 Millionen Menschen diesen Ort. Auch Sonja und ich wandern durch die Anlagen, zünden eine Kerze an und besuchen die beeindruckende hl. Messe in der ca. 10.000 Menschen fassenden Wallfahrtskirche ... 
Am späten Nachmittag geht es dann gemütlich weiter. Es regnet noch immer. Ideal, um ein paar Kilometer zu machen. Wir wollen an die Nordküste Irlands - genauer gesagt zum ca. 250 km entfernten Benone Beach ...

Während der Fahrt passieren wir die Grenze zu Nordirland und würde uns nicht Susi (Navi) darauf hinweisen, würden wir es gar nicht bemerken. Als wir kurz nach 20:00 Uhr in Benone Beach ankommen, hat sich das Wetter wieder wesentlich gebessert (so wie in Irland üblich ...) und wir sind begeistert ...
Wir sind aber nicht nur von den herrlichen Wolkenbildern begeistert, sondern freuen uns über gar paradiesische Wohnmobilverhältnisse: 11 Kilometer langer feinster Sandstrand, aber so fest, dass man direkt ins Meer fahren könnte. Relativ wenig los (lediglich nur ein weiterer Wohnmobilist bleibt über Nacht auf dem himmellangen Strand stehen ...) und wieder mal ein wunderbarer Sonnenuntergang, dazu noch leckeres Abendessen und Erholung pur ...
Ich war zwar heute schon kurz im Meer, aber morgen gehe ich so richtig baden ...
 
Video: Benone Beach
 
Keine Klippen, nur Sand, keine grünen Wiesen und auch keine Schafe, aber doch Irland, zwar Nordirland aber trotzdem Irland und doch so anders, und doch wieder schön ...
Benone Beachfester Sandstrand
kostenlosauch asphaltierte Flächen bei der Zufahrt vorhanden
WC, GPS: N 55,16702°   W 6,87611°
Bilder: 01.08.2016
 
Tag 12Di. 02.08.2016
Vormittag:
Regen
+ 15° C
Nachmittag:
Heiter
+ 20° C
Reisezeit: 10:47 - 19:10 UhrBenone Beach -  Giants Causeway - Rope Bridge - Dark Hedges - Belfast
8 Stunden 23 Minuten3596 - 3633 - 3646 - 3664 - 3756 km (160 km)
Heute wird es wohl doch nichts mehr mit dem Baden werden - ich habe es zwar mit der kleinen, großen Zehe probiert, aber es ist sooooo: (kleiner Abstand zwischen Daumen und Zeigefinger) kalt. Saukalt und Regen, richtiger Regen ...
Beim Lesen stört der Regen nicht, im Gegenteil, das Prasseln auf das Wohnmobildach macht das Leben im Womo noch heimeliger, als es so schon ist. Sonja findet das auch und bastelt, dieses Mal Engel aus Filz. Und ich hol meinen Kindle raus, um endlich im Roman von Jonas Jonasson "Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind" weiter zu kommen. Ob es in Stockholm jetzt auch wohl regnet? Egal, nach Schweden muss ich wohl auch wieder mal hin und auch wir müssen irgendwann wieder weiter. Kurz vor Mittag brechen wir auf.
Den Mussenden Tempel und die anderen Bauten hier gleich um die Ecke sehen wir nur aus der Ferne, bei diesem Regen jagt mich nicht einmal meine Gattin vor die Tür
Vorbei an einer der größten Burgruinen Irlands - Dunluce Castle - geht es direkt zum Damm der Riesen - Giant's Causeway - in der Nähe von Bushmills ...
Einer irischen Legende nach, hat hier der Riese Fionn mac Cumhaill, alias Mac Cool, diesen Damm gebaut, um seinen schottischen Widersacher Bennandonner in einem Duell zu besiegen. Kurz gesagt, kam der riesige schottische Riese über diesen Damm rüber nach Irland und wurde von Fionn's schlauer Ehefrau hinter's Licht geführt (das haben manche Frauen so an sich ..), indem sie ihren Mann als Baby verkleidete.

Als Bennandonner das riesenhafte Baby sah, verblasste er bei der Vorstellung, dass bei der Größe des Kindes, der Vater wohl gigantische Ausmaße haben müsse. Vor lauter Angst lief der schottische Riese über den Damm zurück und zerstörte ihn dabei hinter sich (frei nach Wikipedia)

Diese Geschichte kann man als Zeichentrickfilm im großen Besucherzentrum, dass in einen Hang gebaut ist und von der anderen Seite fast unsichtbar ist, sehen.
Giant's Causeway Visitor CentreN 55,23311°   W 6,51458°
Eintritt + Parkgebühr pro Person:€ 10,--
Ausgerüstet mit Audioguides spazieren wir durch das Besucherzentrum runter zum Giant's Causeway, der UNESCO Welterbestätte. Es besteht aus ca. 40.000 (ich hab's nicht nachgezählt) mehr oder weniger gleichförmigen Basaltsäulen (Lavagestein), die meistens eine sechseckige Form aufweisen. Auch hier sind viele Besucher, die aber in dem weitläufigen Küstenabschnitt weiter nicht stören. Wir betrachten die eigentümlichen Gesteinsformen, die bis zu 12 Meter hohen Säulen, die vielen "Steinskulpturen und -Figuren", die Natur, die rot gefärbten Felsen (Eisen) ...

Es ist wirklich erfreulich, dass der Regen in der Zwischenzeit aufgehört hat (irisches oder fast schon englisches Wetter ...) - aber bis nach Schottland haben wir leider trotzdem nicht rüber sehen können. Es ein beeindruckender und schöner Rundgang und eine beeindruckende Landschaft - absolut zu empfehlen.

Nur ein paar Kilometer entfernt ist auch schon die nächste, sehr bekannte Sehenswürdigkeit - nämlich die Carrick-a-Rede Rope Bridge und da wollen auch wir jetzt hin ...

Wir parken auf dem unteren Platz, wo auch schon Filmaufnahmen zu: "Games of Thornes" gedreht wurden.
Für einen Eintritt von ca. £ 5,90 pro Person spazieren wir zur Hängebrücke, die schon vor 350 Jahren Fischern dazu gedient hat, um relativ gefahrlos auf die Insel zu kommen und in den Sommermonaten nach Lachs zu fischen.
Die Brücke überspannt eine Meeresenge von ca. 20 Metern in einer Höhe von 30 Metern. Securitypersonal regelt den Übergang und mag es gar nicht, wenn dabei fotografiert wird, was natürlich wieder dazu führt, dass ich eine Menge Bilder mache ...


Das Überqueren der berühmten Brücke kann ohne Lebensgefahr vollzogen werden. Die Landschaft ist wieder einmal atemberaubend und im krassen Gegensatz zum langen Sandstrand von Benone Beach. Apropos Gegensatz: Soeben kam sogar die Sonne durch und beim Rückweg zieht wieder Regen auf und das in einer typisch irischen Geschwindigkeit ...
Ich liebe Alleen und ganz eine besondere gibt es ein paar Kilometer weiter: The Dark Hedges - die dunklen Hecken spielten natürlich auch im Film Games of Thrones mit und sind dementsprechend bekannt. Aber zuerst einmal finden. Es handelt sich um eine Seitenstraße nahe dem Dorf Armoy. Finden war die eine kleine Schwierigkeit, die Straße ohne viele Menschen zu fotografieren ist die andere Schwierigkeit. Es sind wirklich viele Leute hier und alle stellen sich in die Mitte der Straße, um die zweihundert Jahre alten Buchenbäume auf Bild zu bannen. Ein Platzregen kommt uns dabei zu gute und wir machen ebenfalls ein paar Fotos ...
Video: Dark Hedges
 
 
Wir haben uns für die Besichtigung von Giant's Causeway, Rope Bridge und Dark Hedges Zeit gelassen und für heute auch genug gesehen. Es ist jetzt gegen 18:00 Uhr und wir beschließen, direkt nach Belfast in die nordirische Hauptstadt zu fahren.
Ziel ist der Hazelbank-Park, ein großer Parkplatz vor den Toren Belfast, den wir auch gleich beim zweiten Mal (der Kreisverkehr hat uns kurz, verkehrter Weise, wieder zurück auf die Autobahn geleitet ...) finden. Hier kann man gut übernachten, hat einen schönen Blick auf die Hafeneinfahrt von Belfast, also alles gut ...
Zwischengeschichtl - Mörder und anderes Gesindel:
Nach Spaziergang und Abendessen nütze ich den angebrochenen Abend, um weiter in meinem Roman der Wandlung von Mörder Anders in einen Prediger zu folgen ...
Um sich das bildlich vor zu stellen (wer will ...): Ich sitze beim Lesen in meinem umgedrehten Fahrersitz, höre nebenbei lässige Musik (nein, keine Schlager ...), die müden Füße lagern auf dem ebenfalls umgedrehten Beifahrersitz. Unterbreche ich das Lesen, um meinen guten Kaffee zu schlürfen, blicke ich auf der einen Seite in die Augen meiner bastelnden Gattin oder auf der anderen Seite beim Fahrerfenster oder bei der Windschutzscheibe raus auf den momentan noch sehr stark frequentierten Parkplatz. Hier tummeln und treffen sich Jogger, Skater, Nordic Walker und andere Freizeitsportler, aber auch viele Jugendliche, um gemeinsam ein Bierchen zu trinken und Spaß zu haben. Apropos Spaß haben: Bei einigen geparkten Fahrzeugen sieht man beschlagene Fenster ...
Um jetzt keinen falschen Eindruck zu erwecken: Wir finden es normal und gut, wenn sich die Jugend trifft und wir sind da nicht so empfindlich, bezüglich Lautstärke und sonstiges Verhalten (wenn es nicht gerade die ganze Nacht anhält ... ;-)), geht uns ja im Prinzip auch nichts an, wenn sich das Ganze im normalen Rahmen bewegt. Neben Lesen und Basteln freuen wir uns also daran, die Gegend zu betrachten und da fällt Sonja ein weißer Lieferwagen auf, in dem zwei Männer und eine Frau ebenfalls die Gegend beobachten und dabei ständig telefonieren. Nach ein paar Minuten fahren sie eine Runde und stellen sich auf einen anderen Platz hin, um wieder die Gegend zu beobachten und zu telefonieren. Liegt das jetzt an meinem Mörderroman oder an den vielen Horrorberichten in den verschiedenen Camperforen, aber irgendwie ist das jetzt schon verdächtig - oder? Da - der Lieferwagen wechselt schon wieder seine Position und das noch viele Male an diesem Abend. Außer uns sind noch weitere zwei (deutsche) Wohnmobile auf dem Platz. Spioniert er uns aus, um uns dann in der Nacht mit Betäubungsgas hinterhältig zu überfallen? Wird hier ein großer Deal eines internationalen Drogenrings vorbereitet, gar ein Terroranschlag? Leider habe ich das Tränengas, mit dem ich mich versehentlich selbst bekämpft habe, wieder weg geworfen - jetzt könnte es uns vielleicht helfen. Für den schlimmsten Fall machen wir ein Foto von dem verdächtigen Fahrzeug, um die Polizei nach unserem eventuellen, gewaltsamen Ableben auf die richtige Fährte zu führen  ...

Um es kurz und unspektakulär zu machen: Wir haben die Nacht ohne gröbere Zwischenfälle überlebt. Vorsicht ist zwar immer und überall angebracht und sinnvoll, hysterisch und übertrieben braucht man aber auch nicht zu reagieren. Wir hatten bisher auf unseren Reisen immer Glück gehabt und darum auch noch nie Angst gehabt. Hätten wir diese, müssten wir wohl zu Hause bleiben ...
Übernachtungsplatz Hazelbank-Park
Zwei große asphaltierte Parkplätze
WC, Wasser, Mülleimer ...
 9 km vor Belfast, kostenlos
GPS: N 54,66311°   W 5,90255°
Bilder: 02.08.2016
 
Tag 13Mi. 03.08.2016
Vormittags:
Wechselhaft
+ 19" C
Nachmittag:
Wechselhaft
+ 20° C
Reisezeit: 09:00 - 19:30 Uhr
Belfast (Titanic Museum) - Monasterboice - Port Oriel
10 Stunden 30 Minuten3756 - 3905 - 3951 km (195 km)
 Nach einer absolut ruhigen Nacht fahren wir die neun Kilometer vom Übernachtungsplatz Hazelbank-Park bis nach Belfast - zum Titanic-Museum mit dem Wohnmobil (wäre auch mit der Bahn möglich) und finden gleich gegenüber einen Parkplatz, wo man gegen Bezahlung (£ 2,50 für zwei Stunden) im eingezäunten Areal stehen kann.
 
Schon von außen ist das 2012 eröffnete Titanic Belfast Museum imposant und beeindruckend. Genau dort, wo die RMS Titanic vor gut 100 Jahren erbaut wurde, entstand ein 27 Meter hohes (genau so hoch wie die Titanic vom Kiel bis zur Brücke), glitzerndes, technologisches und architektonisches Meisterwerk. Im Inneren (Eintritt: £ 17,50 pro Person) geht es genau so phänomenal weiter: 3547 Personen finden hier Platz - genau so viel, wie die Titanic Fassungsvermögen hatte. In der weltgrößten Titanic-Ausstellung erfährt man per Audioguide (£ 3,--) oder aber auch ohne, nicht nur alles über den Schiffsbau, den Stapellauf und den Untergang der Titanic, sondern auch über das Leben in Belfast der damaligen Zeit und viele Einzelschicksale. Alles sehr modern und interessant auf mehreren Etagen aufbereitet. Danach kann man noch das letzte Schiff der White Star Line - die Normadic - die im Hamilton Dock liegt - in Natura besichtigen ...
 
 



Wir sind der Meinung - das muss man gesehen haben, uns hat es auf jeden Fall gefallen. Das Wetter ist so mittelprächtig, es regnet aber nicht. So spazieren wir in das Zentrum von Belfast und besichtigen noch die eine oder andere Sehenswürdigkeit, wie z.B. the Big Fish, Albert Memorial Clock Tower, Belfast City Hall, usw. ...
 
 
Natürlich haben wir nicht alles von Belfast gesehen, aber zumindest einen schönen Eindruck von Nordirlands Hauptstadt erhalten. Schön langsam machen wir uns wieder raus aus Nordirland über die Autobahn auf den Weg nach Newgrange, unserem nächsten Ziel. Leider ist das über 5000 Jahre alte imposante Hügelgrab wegen Überfüllung erst morgen wieder zugänglich. Macht auch nichts, fahren wir halt wo anders hin. Leider kommen wir auf der Weiterfahrt wieder an einem schweren Verkehrsunfall, bei dem ein PKW auf einem Baum gelandet ist, vorbei ...

Hoffentlich ist dem Fahrer nicht allzu viel passiert! Mit dem Bewusstsein, dass so etwas sehr schnell geschehen kann, fahren wir weiter und landen eher zufällig in Melifont Abbey - die älteste Zisterzienser-Abtei Irlands. Wir besichtigen die alten Mauern und entschließen uns dann für die Weiterfahrt (man könnte hier auf dem Parkplatz auch übernachten) ...
Bei der Weiterfahrt sehen wir eine (Plastik-) Kuh auf einem Dach. Irgendwie erinnert mich das an eine Aktion in Salzburg aus dem Jahre 2000 mit dem Namen "Kunst und Kuh" ...
 
Nach dem Newgrange für heute ausgefallen ist, habe ich für diesen Tag nur noch ein Ziel, nämlich Monasterboice - ein Friedhof mit den "schönsten" und ältesten Steinkreuzen Irlands, den will ich Sonja noch zeigen.

Mir "gefallen" aber nicht nur die Steinkreuze, wenn man das so sagen kann, sondern ich finde den gesamten Friedhof, die Grabinschriften und den Rundturm irgendwie interessant. Mit einem freundlichen Mann, der das Grab seiner 12-jährigen Tochter pflegt, komme ich ins Gespräch ... beeindruckend ...
 
 
Ich will wieder ans Meer - aber die Iren lassen uns hier nicht. Wir fahren ein paar Kilometer an der Küste entlang, aber es hindern uns entweder Höhenbalken oder geeignete Straßen und Plätze daran, einen möglichen Übernachtungsplatz zu finden.
In der Nähe eines kleinen Dörfchens namens Clogherhead, biege ich - meinem untrüglichen Instinkt und unserem Navi folgend, wieder einmal von der Hauptstraße ab und fahre eine einspurige Straße Richtung Meer hinunter. Und hier scheint es zu passen: Wir wagen die Abfahrt, passieren ein großes Schiebtor und landen ...
 ... im "Port Oriel". Zuerst einmal das Wohnmobil abstellen und auf Erkundung gehen. Ok - es handelt sich augenscheinlich um keinen Tourismushafen, sondern die vielen Netze, Seile und vor allem die kleinen und größeren Boote deuten - auch für den Laien durchaus erkennbar - auf einen urigen Fischereihafen hin (o.k.). Ein öffentliches WC (o.k.) ist ebenso vorhanden, wie ein Fischgeschäft (sehr o.k.), das derzeit aber geschlossen hat. Neben an gibt es sogar ein Naturreservat (gefällt uns), allerdings gibt es auch bei der Einfahrt ein Verkehrsschild mit der Aufschrift: "Authorised Vehicles only" (gefällt uns gar nicht) ...
 
Dürfen wir oder dürfen wir hier nicht übernachten! Keine Ahnung und niemand da, um zu fragen. Und weil es uns hier irgendwie gefällt, stellen wir das Wohnmobil auf einen der Parkplätze und machen uns erst einmal ein gar köstliches Abendessen ... 
Während wir so fürstlich dinieren, kommen immer mehr autorisierte Fahrzeuge in den Hafen. Die einen sind Fischer, die auf die Schiffe gehen und die anderen parken am Pier und warten auf irgend etwas. Keiner davon regt sich auf, dass wir hier mit unserem Wohnmobil stehen. Als wir mit dem Essen fertig sind, frage ich einen der Wartenden, der mir sagt, dass es kein Problem ist, wenn ich hier über die Nacht stehen bleibe (gefällt uns sehr gut ...) und er erzählt mir auch, dass er Wirt ist und auf Muscheldelikatessen wartet, die bald einmal in den Hafen kommen sollten ...
 
Und dann kommen die ersten Fischerboote von ihrer Arbeit auf dem Meer herein, andere wiederum fahren hinaus. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen. Wir sind fasziniert von dem regen Treiben und beobachten alles ganz genau. Die Fischer sind nett und erklären uns genau, was sie machen und was sie fangen. In diesem Fall sind es Messermuscheln, eine Stabmuschelart, die sehr begehrt ist. Man nennt sie auch Messerscheide (lateinischer Name: Solen vagina). Erst spät nach Mitternacht kommen wir ins Bett und wir sind uns einig, das dies einer der interessantesten Abende in Irland war ...
 
 
Übernachtungsplatz Port Oriel
Asphaltierter Parkplatz, leicht schräg ...
WC,
Fischereihafen in der Nähe von Clogherhead
GPS: N 53,79785°   W 6,22133°
 
Bilder: 03.08.2016

Bilder: 4. Etappe
3. Etappe5. Etappe
 
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