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Reiseberichte 

Irland 2016: Forty Shades of Green    (Teil 3) 

Kuchl (A) - Dünkirchen (F) - Stonehenge (GB) - Lacock - Pembroke - Rosslare (IRL) - Hook Head - Waterford - Blarney Castle - Cobh - Jameson Whiskey - Mizen Head - Ring of Beara - Ross Castle - Ring of Kerry - Loop Head - Cliffs of Moher - Doolin - Ballyvaughan - Burren - Galway - Achill Island - Foxford - Knock - Benone Beach - Giants Causeway - Rope Bridge - Dark Hedges - Belfast (Titanic Museum) - Monasterboice - Port Oriel - Dublin - Wicklow Mountain - Clogga Beach - St. Hellen Pier - Heimfahrt - Kuchl  (6204 km)


22. Juli bis 10. August 2016  6204 km
    
 Übersicht  
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Über England nach IrlandDer Süden von IrlandDer Westen von IrlandDer Norden von IrlandDer Osten von Irland
(1831 km)(711 km)(662 km)( km)( km)
     

3. Etappe - Der Westen von Irland:

29.07. - 31.07.2016

Bilder: 3. Etappe

 

Ross Castle (Killarney) - Ring of Kerry - Loop Head - Cliffs of Moher - Doolin - Ballyvaughan - Burren - Galway - Achill Island (662 km)
Irland 2016 
(zum Vergrößern auf die Karte klicken ...)
 
Tag 8Fr. 29.07.2016
Vormittag:
Sonnig
+ 19° C
Nachmittag:
Sonnig
+ 21° C
Reisezeit: 08:20 - 20:55 UhrKillerney - Ring of Kerry - Loop Head
12 Stunden 35 Minuten2542 - 2870 km (328 km)
 Der eigentliche Grund warum wir überhaupt Killarney - eine sehr touristische Stadt - angefahren haben, ist unsere Gasknappheit. Eigentlich nicht "unsere", sondern die unseres Wohnmobils - eh klar. Im Reiseführer ist eine weitere Werkstätte angeführt, die unsere Flaschen auch füllen kann - hoffentlich klappt es dieses Mal. In einem Hinterhof betreten wir eine LKW-Aufbau-Firma. Der Chef persönlich wird geholt - nur er kennt sich mit der Gasfüllung und der etwas antiquierten Anlage aus. Ein netter, alter Ire, der es mit den Sicherheitsvorkehrungen nicht allzu genau nimmt. Wir plaudern viel mit ihm ...
Er lobt die EU - schimpft gehörig auf die Engländer mit ihrem Scheiß-Brexit - fürchtet, dass dies die Beziehungen mit Nordirland wieder verschlechtern könnte - freut sich, dass wir aus Österreich sind und soweit gefahren sind, um in Irland Urlaub zu machen - sagt, dass ich als Feuerwehrmann wegen dem Gas nicht so ängstlich sein soll - ist erschrocken, dass Sonja ein Bild von ihm macht, während er zu viel Gas einfach ablässt und ich ihm sage, dass er nicht so ängstlich wegen dem Foto sein soll - ist der Meinung, dass die Iren das beste Bier weltweit haben - und verlangt insgesamt wirklich lächerliche € 37,-- für die Füllung von zwei 10 kg Flaschen.

Flaschen gefüllt - Gas in Hülle und Fülle - Wasser genug - die Lebensmittel sind ebenfalls aufgefüllt - genauso wie der Tank (1 l Diesel = € 1,169 - einer entspannten Weiterreise steht nichts mehr im Wege.


Heute wollen wir den Ring of Kerry umrunden. Diese Panoramaküstenstraße ist laut Angaben 179 Kilometer lang und wir freuen uns schon auf dieses landschaftliche Highlight ...

Zwischengeschichtl -
Straßen in Irland und die Glaubensfrage: Links oder recht rum ... :

Die Straßen in Irland sind oft schmal, teils auch nur einspurig, aber mit Ausweichstellen, die natürlich auch keine Fußballfeldgröße haben. Ich habe auf unserer Reise mit insgesamt drei Wohnmobilkollegen aus Deutschland gesprochen, bei zwei von ihnen war der rechte Außenspiegel auf Grund entgegenkommender Fahrzeuge, sagen wir "defekt".
Am Straßenrand bietet kein befestigtes Bankett zusätzliche Sicherheit sondern nur eine gelbe, gestrichelte Linie - bestückt mit Katzenaugen. Diese befinden sich sehr oft auch auf der Mittellinie, um in der Nacht die Begrenzungslinien besser zu kennzeichnen. Auf der anderen Seite haben die Katzenaugen den Nachteil, dass sie beim Überfahren doch eine gewisse Geräuschkulisse verursachen und dies auch den Reifen wahrscheinlich nicht besonders gut tut. Schwierig wird das Ganze, wenn ein Fahrstreifen schmäler ist als die Spurbreite deines Fahrzeuges. Dazu kommen noch auf der Fahrbahnseite teils meterhohe Hecken und Mauern und eben der in Irland gebräuchliche Linksverkehr. Das alles bedeutet für uns, dass man durchaus noch konzentrierter und langsamer unterwegs ist, als wie z.B. in Österreich auf einer gutausgebauten Autobahn. So weit, so gut - aber nicht wirklich ein Problem, wenn man Vorsicht wallten lässt.

 Bei den Küstenstraßen (Ring of ...) stellt sich dann auch noch die Frage, ob man im Uhrzeigersinn oder dagegen, die Umrundung angehen soll. Diese Frage ufert in den verschiedenen Internet-Foren schon fast zu einem Glaubenskrieg aus (obwohl man mit diesem Begriff hier eher vorsichtig sein sollte). Die einen sagen, dass man im Uhrzeigersinn mehr sieht und mehr Übersicht hat. Die anderen sagen, dass man gegen den Uhrzeigersinn sicherer unterwegs ist, weil z.B. auf dem Ring of Kerry Busse (meistens ab 09:00 Uhr in der Früh) nur in diese Richtung fahren dürfen. Ein paar sagen sogar, dass sie diese Straßen nie wieder mit einem Wohnmobil oder ähnlichem befahren werden. Wir sind den Ring of Beara im Uhrzeigersinn und den Ring of Kerry entgegen dem Uhrzeigersinn befahren - unser Resümee:
1. Beide sind landschaftlich so reizvoll, dass man fast etwas versäumen würde, einen der beiden nicht zu besuchen.
2. Uns sind auf dem Ring of Beara sowohl LKW's und größere Wohnmobile entgegen gekommen -genauso wie wir am Ring of Kerry größeren Wohnmobilen ausgewichen sind. Bei dem Thema Aussicht und Übersicht haben wir keine gravierende Unterschiede feststellen können.
3. Wir hatten beim rechts im Kreis fahren genauso wenig oder viel Probleme wie beim links im Kreis fahren. Soll heißen: Aus unserer persönlichen Sicht ist es wurscht, ob man so oder so fährt, beides ist bei der nötigen Vor- und Rücksicht eine wunderbare Fahrt durch wunderbare Landschaften ... 
Wir fahren also den Ring of Kerry entgegen dem Uhrzeigersinn und kommen kaum weiter, weil man so oft stehen bleibt. Nicht um dem Verkehr auszuweichen (die Straße ist breit genug) sondern um die Landschaft zu genießen. An einem der Aussichtspunkte warten irische Musiker auf die nächste Busladung Touristen und erzählen uns bis dahin von ihrem Job. Dann kommt auch schon der nächste Bus und die Touristen schwärmen aus wie die Gelsen in Lignano.
Uns zieht es dann weiter entlang der Küste bis nach Portmagee.
Hier finden wir einfach keinen freien Parkplatz. Eine nette Dame lässt uns dankenswerter Weise in der Hauseinfahrt parken.
Unser Plan: Wir wollen mit dem Boot heute oder morgen zu den Skellig Inseln raus. Und zwar ganz genau zur Great Skellig oder auch Skellig Michael genannt, um dort die 600 Stufen zu erklimmen und die berühmten Bienenstocksteinhütten der Mönche aus dem 6. Jahrhundert zu bestaunen.
Soweit unser Plan, dem der Ticket-Verkäufer im Hafen von Portmagee einen ordentlichen Dämpfer verpasst: Diese Touren, die nur eine bestimmte Anzahl von Besuchern auf die Skellig Michael bringen darf, sind seit sechs Wochen ausgebucht ...
 Die kleine Tour für ca. € 36,--, die uns der Ticket-Verkäufer anbietet - wollten wir dann auch nicht nehmen, weil sie nur um die Inseln herum führt und außerdem - laut Aussage des Ticket-Verkäufers - die Puffins (Papageientaucher) die Inseln seit ein, zwei Wochen schon verlassen haben.

Schade und Pech gehabt, aber was soll's? Bei einem gemütlichen Kaffee beschließen wir, rüber über die Brücke auf die Valentia Insel zu fahren und uns hier ein bisschen um zu sehen.




Im kleinen aber netten Skellig Experience Center erfahren wir, dass Skellig Michael als Kulisse für den Star Wars 7-Film diente. Außerdem erhalten wir den ausgezeichneten Tipp, eine Wanderung zum nahegelegenen Bray Head zu machen ...
Schnell finden wir den Wanderparkplatz auf Valentia Island (GPS: N 51.89177   W 10.39666) und sind begeistert: Die Sonne hat sich durchgesetzt und der Ausblick ist rundherum grandios: Auf der einen Seite das Meer und die Skellig Inseln und auf der anderen Seite Dingle Bay und die zauberhafte Küste des Ring of Kerry.
Wir schnüren unsere wasserdichten Bergschuhe (Unterwurzacher-Schuhe) und machen einen ca. 5 Kilometer langen Spaziergang (Bray Head Loop) zum ehemaligen Beobachtungsturm und zum "Gipfel" (219 m) des Bray Head. Über moorige Wiesen geht es dann zurück zum Wohnmobil und wir sind uns sicher, dass wir soeben eines der landschaftlichen Highlights unserer Irlandreise erlebt haben ...
Video: Ring of Kerry und Valentia Island
 
Beseelt von der schönen Landschaft und der herrlichen Wanderung machen wir uns nach gut einer Stunde wieder auf den Weg um den Ring of Kerry ...
... eine riesengroße Baustelle für einen neuen Golfplatz direkt an den Klippen schmälert etwas unsere Euphorie. Daran kann auch die Charly Chaplin-Statue in Waterville wenig ändern. Es gibt meiner Meinung nach relativ viele Golfplätze in Irland (Golfspieler werden sagen: ... es kann nie genug geben) und wenn man hier sieht, wie auf mehreren km2 die gesamte Oberfläche einfach abgeschält und zerstört wird, fragt man sich, ob es nicht gescheiter wäre, auch im Sinne eines "ökonomischen Tourismus" (wenn es den gibt ...), die Landschaft und die Natur in ihrer derzeitigen Form zu erhalten. Die gleiche Frage kann oder könnte man sich übrigens auch sehr oft in unserer eigenen Heimat stellen. So und weil wir gerade so schön beim philosophieren sind, kann jetzt jeder für sich selbst definieren, ob das Reisen mit dem Wohnmobil zum sanften Tourismus gehört oder nicht ... ;-))
Bei der Weiterfahrt genehmigen wir uns ein köstliches Cremeeis auf einem der Aussichts-Parkplätze und meins landet prompt auf dem Fahrersitz. Egal - Entlang der Küste und mit weiteren schönen Ausblicken geht es dann ohne weitere Flecken wieder nach Kenmare, um den Ring of Kerry mit der Fahrt durch den schon bekannten Killarey National Park abzuschließen.
Nachdem wir gestern den Ring of Beara und heute den Ring of Kerry (beide wirklich sehenswert ...) umfahren haben, lassen wir jetzt die - sicherlich ebenfalls schöne - Halbinsel Dingle - quasi links liegen und nehmen die ca. 130 Kilometer von Killarney bis Loop Head in Angriff.
Während ich die Fähre (€ 20,--) über das Shannon-Delta bezahle, flirtet Sonja mit einem (sicherlich) sehr bekannten Golfprofi, der sie um ein Bild ersucht.



Kurz vor 21:00 Uhr erreichen wir - auf wieder schmäler werdenden Straßen - den Leuchtturm auf Loop Head. Nicht nur die herrlichen Wolken- und Sonnenuntergangsbilder lassen uns erkennen - dass wir einen weiteren Top Platz zum Übernachten gefunden haben ...
 
Nach dieser herrlichen warmen Abendstimmung mache ich noch einen kleinen Spaziergang um den Leuchtturm. Beim nahegelegenen Vogelfelsen steigt plötzlich ein Vogel nach dem anderen auf und ich bin ganz stark an Alfred Hitchcock's Film: "Die Vögel" erinnert ...

 
Wir lassen im Wohnmobil die vielen und starken Eindrücke des Tages noch einmal Revue passieren und schlafen still beim Rauschen der Meeresbrandung an den Klippen, ein ...
Loop Head Lighthouse 
Asphaltierter Parkplatz vor dem Leuchtturm, einsam
kostenlos
Klippen, Vogelfelsen, ...
GPS: N 52,56113°   W 9,93063°
Bilder: 29.07.2016
 
Tag 9Sa. 30.07.2016
Vormittag:
Sonnig
+ 19° C
Nachmittag:
Heiter
+ 20° C
Reisezeit: 11:37 - 22:45 UhrLoop Head - Cliffs of Moher - Doolin - Ballyvaughan
11 Stunden 8 Minuten2870 - 2854 - 2963 - 2990 km (120 km)


Was ist heute für ein Tag? Aja, genau - der 30.07. - mein Geburtstag - steht zumindest so in meinem Kalender - sonst würd' ich ihn vielleicht sogar vergessen. Gott sei Dank habe ich aber auch noch meine Sonja, die mich mit einem köstlichen Frühstück und einem lieben Geschenk daran erinnert - Danke!

Nach dem Frühstück machen wir beide zusammen einen Spaziergang zum Vogelfelsen "Lovers Leap" ...
Wir springen nicht rüber (man ist ja nicht mehr der Jüngste ...) sondern wir beobachten die jungen Möwen und die anderen Vögel, bei ihren ersten Flugversuchen, vom Festland aus.
Es grünt so grün, wenn Irlands Gräser blühen ...
... es gibt wirklich so viele unterschiedliche Nuancen von Grün ...
Wir genießen den Sonnenschein, den Wind, die Klippen, das Meer, die Aussicht und die Zweisamkeit ...

Irgendwann zu Mittag brechen wir in Richtung Cliffs of Moher auf. Entlang des Wild Atlantic Way geht es auf der Cost Road zuerst zu den Bridges of Ross - eine der bekanntesten Vogelbeobachtungspunkten Europas. Weiter geht die Fahrt vorbei an bizarren Felsformationen, wie z.B. die Felseninsel Illaunonearaun. Wir beobachten Angler wie sie Massen von Makrelen an Irlands besten Küstenangelstandplatz - Castle Point - aus dem Meer über die Klippen heraus holen und wir kommen kaum weiter, vor lauter Schauen und Fotografieren ...
Video: Makrelenfischer auf Castle Point
 
... und dann erreichen wir den Parkplatz (Parkgebühr und Eintritt pro Person: € 6,--) der Cliffs of Moher und zum ersten Mal in Irland ist der Besucheransturm wirklich enorm, so dass wir fast keinen Parkplatz ergattern können. Ich stelle mein Fahrzeug auf einem Mitarbeiterparkplatz ab und hole mir das o.k. des Wachpersonals. Danach geht es zu Fuß zum informativen Besucherzentrum und zu den Klippen, die 214 Meter aus dem Meer herausragen ...
Wir spazieren zuerst nach Süden und danach. vorbei am O'Brians Tower. zu den nördlichen Klippen. Natürlich machen wir auch unzählige Fotos von dieser beeindruckenden Naturkulisse, die schon bei vielen Filmen (Harry Potter  & Co) "mitspielen" durfte. Die Dame auf dem nächsten Bild fühlt sich wohl auch als Angehörige der High Society - sie macht - ohne Übertreibung - mindestens alle 2 Meter eine neues Selfie von sich, immer mit dem gleichen Gesichtsausdruck. Schon interessant, die Leute hier zu beobachten, aber wer weiß, welches Bild Sonja und ich so ergeben ... ;-))
Diese, neben der Brauerei Guinness, bekannteste Touristenattraktion Irlands muss man, trotz der vielen Besucher, einfach gesehen haben. Man hört eine Vielfalt an verschiedenen Sprachen und wir treffen auch gar nicht wenige Österreicher, die ebenfalls begeistert sind ...

Das gleiche Pferd habe ich schon 2008 fotografiert ...
Nur ein paar Kilometer weiter erwartet uns mit einem letzten Blick auf die Cliffs of Moher ein ganz anderer Genuss: Die kleine Ortschaft Doolin ist als Musikhochburg bekannt und auch ich habe hier mit meinem Sohn schon das eine oder andere Guinness bzw. Bulmers bei lässiger Musik im Pub geleert. Nur schwer finden wir aber einen Parkplatz außerhalb des Ortes.

Auch Sonja und ich wollen heute wieder mal die Atmosphäre in einem Pub inhalieren und haben uns das - von außen klein und unscheinbar aussende - Gus O'Conners ausgesucht.
Als wir gegen 18:00 Uhr das Lokal betreten ist dieses auf mehreren Räumen bummvoll, man muss sich durch die Massen durchkämpfen ...
Ein netter Kellner reserviert uns für das Essen einen Tisch. Da er meinen wunderschönen Namen "Unterwurzacher" unverständlicherweise nicht ganz versteht, geschweige denn, diesen aufzuschreiben bzw. auszusprechen in der Lage ist, tauft er uns kurz in "Austria" um.
Für die schnellvergehenden 45 Minuten Wartezeit bestellen wir uns ein Guinness an der Theke und lauschen mit Begeisterung der irischen Musik, die von ein paar Einheimischen dargeboten wird ...
 
Prost - Man hat ja schließlich nicht jeden Tag Geburtstag.
Obwohl ich glaube, dass die Mehrzahl der Besucher hier Touristen sind, fühlen wir uns richtig wohl in diesem quirligen Pub. Die neben uns stehende Bekannte des Ziehharmonikaspielers erklärt uns, dass sich hier oft Musiker aus allen Landesteilen treffen, um gemeinsam die irische Volksmusik hoch zu halten. Man merkt, dass die Musiker wirklich mit Leib und Seele bei der Sache sind und Spaß haben. Gelegentlich wechseln sich die Musikanten ab oder es kommen neue dazu. Besonders fällt uns ein älterer Herr auf, der die Löffel rhythmisch schlägt ...  
Video: The Spoon Man ...
 
Sonja macht sich Sorgen, dass uns der Kellner, der uns einen Sitzplatz versprochen hat, in dem Getümmel nicht mehr findet. Aber dies ist unbegründet, nach gut 40 Minuten sitzen wir gemütlich auf einem der begehrten Plätze.
Rechts neben uns sitzen vermeintliche Iren und ich frage sie, was sie denn so essen, um mir ein realistisches Bild der irischen Speisen zu machen. Die einzelnen Mitglieder der netten Familie erklären und zeigen mir genau, was sie so zu sich nehmen. Der Vater fügt noch freiwillig eine kleine irische Bierkunde dazu und klärt mich dann freundlich darüber auf, dass sie aus den Vereinigten Staaten kommen.
Das ebenso nette, junge Paar auf der linken Seite kommt aus Italien und er vertraut mir an, dass ihm das österreichische Gulasch mit Semmelknödel besser schmecke, als das irische Stew. Trotzdem bestelle ich an der Theke mit Tischnummernangabe ein Irish Beef und Guinness Stew (früher war das eine Armeleuteessen) und es mundet mir ausgezeichnet. Sonja genießt einen Traum von Lachs mit Karottenpüree. Gegen 22:00 Uhr beenden wir unsere kleine persönliche Geburtstagsfeier und machen uns auf die Suche nach einem Übernachtungsplatz ...
Zwischengeschichtl - The Spoon Man:
Als wir am Ortsende von Doolin einen Autostopper sehen, bleibe ich stehen. Sonja fragt sich bzw. mich, ob ich noch recht bei Sinnen bin, aber
1. ... hatte ich schon immer ein Herz für Autostopper ...
2. ... habe ich heute Geburtstag ...
3. ... ist der Autostopper, der alte Herr, der im Pub die Löffel geschlagen hat - The Spoon Man ...
4. ... bin ich Schlagzeuger und somit quasi seelenverwandt mit dem Musiker ....
5. ... weiß ich sowieso nicht, in welche Richtung ich gerade fahren soll ...

Freudig steigt er ein und irgendwie, ich weiß auch nicht warum, werde ich an Whiskey erinnert. Da ich seinen Namen nicht verstehe, nenne ich ihn einfach: James Jameson. James redet sehr viel, aber wir verstehen nicht einmal die Hälfte davon: Entweder er spricht einen extremen Dialekt, oder unser Englisch ist einfach zu miserabel oder - mein Favorit: James lallt. Ich habe mir schon beim Einsteigen gedacht, dass er ein bisschen wackelt und als er Sonja überrascht und ihr einen Schmatz auf die Wange gibt, deutet mir meine untreue Gattin, dass da wohl mehr oder weniger ein bisschen Alkohol im Spiel ist.
Aber er ist irgendwie nett und lustig. Wohin will er denn? No Problem - ich soll einfach fahren, er wird mir dann schon sagen, wo wir abzweigen müssen. Also fahre ich nach seinen Anweisung durch die Gegend - keine Ahnung wo hin. James muss noch zu einem anderen Pub, um dort mit seinen Löffeln - Spoons - bei einem Folkfestival mit zu wirken. James erzählt uns von der irischen Musik, von schönen Frauen, von netten Abenden und dass es mit seinen 77 Jahren noch zu früh ist, jetzt schon nach Hause zu gehen, außerdem wartet da nur eine etwas böse Ehefrau auf ihn. Nach ca. 10 Kilometern sind wir in - Moment, kurzer Blick auf das Ortsschild - wir sind in Lisdoonvarna oder so ähnlich eingetroffen. Wir bleiben vor der Custin's Roadside Tavern stehen. James bedankt sich und steigt ohne zu schauen aus. Er wird fast von einem entgegenkommenden Fahrzeug erwischt, hat aber Glück und landet unversehrt in der Taverne. Wie sagt man bei uns immer so schön: Kinder und Rauschige (Alkoholisierte) haben einen Schutzengel - Good Luck!
Auf der Fahrt zu einem Übernachtungsplatz lachen Sonja und ich noch lange über James, dem lustigen Spoon Man. Mittlerweile sind wir im Land der Burren angelangt und erleben wieder einmal einen beindruckenden Sonnenuntergang - dieses Mal ohne Meer aber trotzdem wunderschön. 
Im Küstenort Ballyvaughan finden wir dann wieder ein ruhiges Plätzchen neben der Straße aber wieder direkt am Meer ...
Übernachtungsplatz Ballyvaughan
Geschotteter Parkplatz, Wasserbrunnen
Vogelbeobachtungsplatz
Parkplatz Ballyvaughan
GPS: N 53,12066°   W 9,15775°
Bilder: 30.07.2016
 
Tag 10So. 31.07.2016
Vormittags:
Leicht bewölkt
+ 19" C
Nachmittag:
Leicht bewölkt
+ 19° C
Reisezeit: 10:00 - 19:23 Uhr
Ballyvaughan - Burren - Galway - Achill Island
9 Stunden 23 Minuten2990 - 3000 - 3061 - 3204 km (214 km)
Gestern ist es ein wenig später geworden, aus diesem Grund schlafen wir heute ein bisschen länger. Auf dem Übernachtungsplatz den wir gestern in der Dunkelheit angefahren sind, kann man viele Seevögel beobachten. Auch ein Brunnen ist vorhanden und wir nützen die Gelegenheit, um unserer Wasservorräte aufzufüllen.

Ganz in der Nähe gäbe es eine Bärenhöhle, die man besichtigen könnte. Da ich sie bereits einmal besucht habe, zieht es uns weiter ins Burrenland zum Poulnabrone Dolmen.
 
Der Burren (steiniger Ort) ist eine 250 km2 große Karstlandschaft und mitten drin ist der Poulnabrone Dolmen. "Das Loch der Sorgen" soll so ca. (plus - minus) 6000 Jahre alt sein und war wahrscheinlich mal ein Grab. Vor dem Eingang sitzen ein vermutlich irischer Flötenspieler und ein Handwerker stellt Ketten, Ringe usw. mit alten keltischen Symbolen her. Er spricht ein bisschen deutsch und wir kaufen ein paar Souvenirs.
 Wir wollen nach Galway, auf den Weg dahin, irgendwo mittendrin, sehen wir ein nettes Cafe direkt neben der Straße. Wir machen Pause und entdecken, dass sich hier die "Hazel Mountain Chocolate Factory" befindet und diese kann man auch besichtigen - also nichts wie rein.
Hinter einer Glasscheibe werken fleißige Hände, um köstliche Pralinen und Schokolade zu fertigen. Auch der Shop ist originell eingerichtet, so dass Sonja und ich (eher Sonja) nicht anders können, als ein paar der - nicht ganz günstigen, aber qualitativ hochwertigen - Produkte käuflich zu erwerben ...
Allzu süß ist ungesund, aber selbst ich kann der zarten Versuchung nicht wiederstehen und besonders die Pralinen mit dem Erdbeer- bzw. Rosengeschmack sind wirklich ein Gaumengenuss (Nougat bekommt Sonja ...).

Fast jedes Dorf hat in Irland sein eigenes Castle und/oder zumindest eine Kirchenruine mit einem alten Friedhof rundherum. Es waren sogar einmal 7000 Burgen in Irland, von denen noch ca. 1500 mehr oder weniger erhalten sind. Ein restaurierte und gut erhaltene Burg ist das malerische Dunguaire Castle in der Nähe von Kinvara.

Als wir auf Galway zufahren, sehe ich von weitem schon schwarzen Rauch aufsteigen. Hier brennt sicherlich ein Fahrzeug und das erinnert mich stark an meine Tätigkeit als Feuerwehrkommandant zu Hause. Nach ein paar Minuten im Stau qualmt dichter, weißer Rauch auf - Die Feuerwehr ist Gott sei Dank eingetroffen. Als wir am Unfallort vorbeifahren, sehen wir, dass niemand verletzt wurde und so ist es auch mal interessant die Kollegen aus Irland bei ihrer Arbeit zu sehen ...
Video: PKW-Brand bei Galway
 
 Galway - die pulsierende Universitätsstadt mag man oder eben nicht - ich mag sie. Schon als Rupert jun. und ich auf unserer Männer-Irlandsreise 2008 hier übernachteten, hat mich diese quirlige und lebendig Stadt als Gegensatz zu den naturbelassenen, landschaftlichen Schönheiten Irlands angezogen.

Wir parken gegen Mittag im Hafen (€ 2,-- pro Stunde. GPS: N 53,26905   W 9.05044)) und spazieren die paar Minuten ins Zentrum.
 Die Fußgängerzone von Galway erinnert leicht an die Getreidegasse von Salzburg, zumindest von der Anzahl der Touristen her. Sonja und ich lassen uns vom Trubel nicht anstecken und schlendern gemütlich durch die engen Gassen; wir lassen uns in einem Pub wieder ein paar irische Köstlichkeiten zu Mittag schmecken (das Essen in Irland ist vortrefflich); wir durchwühlen die Stände eines Wochenmarktes mit künstlerischen und kulinarischen Besonderheiten; besichtigen Lynch Castle (Bürgermeister James Lynch soll seinen eigenen Sohn wegen Ehebruchs verurteilt und weil keiner sich traute, das Urteil zu vollstrecken, selbst gehängt haben = Lynchjustiz); wir finden im Innenraum der St. Nicholas Church doch tatsächlich und Gott sei Dank ein öffentliches WC, wir shoppen ein bisschen in den vielen Geschäften und wir sind vor allem von den vielen Musik- und Künstlergruppen begeistert ...
 
 
 Nach diesem lebhaften Nachmittag wollen wir nun doch wieder zurück in die stille Natur und zwar auf die Achill Islands, wo wir uns irgendwo einen schönen Übernachtungsplatz suchen wollen.
Vorher möchte ich Sonja noch Ashford Castle zeigen. Auf unserer Irlandreise 2008 haben Rupert jun. und ich dieses herrliche Castle, das jetzt ein Hotel ist, zufällig entdeckt und es - als Hotelgäste getarnt - auch besichtigt.
Ashford Castle war auch der nördliche Endpunkt unserer damaligen Reise, die von der Route her ähnlich wie die jetzige Reise war, aber von hier aus wieder nach Dublin und dann mit dem Flugzeug zurück nach Hause ging.
Leider ist in der Zwischenzeit der Zutritt zu Ashford Castle nur mehr gegen Bezahlung möglich ...
Zwischengeschichtl - Straßenarbeiter:
Ich weiß nicht, ob das nur mir auffällt: In Irland gibt es relativ viele Straßenbaustellen - so wie bei uns vermutlich auch, aber es gibt keine Straßenarbeiter. Keinen - überhaupt gar keinen, keinen einzigen! Zumindest habe ich keinen gesehen. Vielleicht arbeiten sie nur in der Zeit von Mitternacht bis um ca. 08:00 Uhr in der Früh? Oder sie haben zur gleichen Zeit gemeinsam Betriebsurlaub? Sind alle krank - Epidemie? Oder hat es vielleicht damit zu tun, dass im Vorjahr eine bereits tote Katze bei Markierungsarbeiten nicht weggeräumt, sondern gelb übermalen wurde (wirklich wahr). Das Bild wurde auf der Homepage der Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" veröffentlicht und sorgte für einen gewaltigen Shitstorm. Vielleicht wurden danach alle Straßenarbeiter fristlos entlassen? Fragen über Fragen und ich habe keine Antwort. Ja, über so etwas mache ich mir im Urlaub auch Gedanken. Man soll ja nicht sinnlos und gedankenbefreit durch die Gegend rasen, sondern man soll sich auch mit den Menschen und deren Sorgen in einem Urlaubsland vertraut machen. Vielleicht ist es aber ganz anders und die Iren sind ein schlaues Völkchen: Sie lassen alle Baustellen im Land während der Hauptreisezeit ruhen, damit die lieben Touristen ohne Stau durch ihr Land fahren können. Die gelernten Bauarbeiter wechseln während dieser Zeit ihr gelboranges Sicherheitsgewand gegen eine schöne altehrwürdige Uniform und helfen während der Hochsaison in anderen Berufen aus. Zum Beispiel hat der Pförtner, der in Ashford Castle in einer alten irischen Tracht Eintritt verlangt hat, trotz seiner Verkleidung sehr nach einem Bauarbeiter ausgesehen. Auch der Dudelsackspieler in Galway, die Pferdekutschenfahrer in Killarney, der Andenkenverkäufer beim Poulnabrone Dolmen, die Parkplatzeinweiser bei den Ciliffs of Moher usw. waren, wenn man es aus dieser Sicht betrachtet, nicht unverdächtig ...
Egal, ich kann mich auch irren - aber ich werde die Augen wachsam weiter offen halten ... 
Trotz dieser schwerwiegenden Gedanken geht es unbekümmert weiter. Wir wollen auf die Achill Inseln, die man über eine Brücke problemlos erreichen kann. Schafe sind in Irland überall allgegenwertig. Auch hier liegen wieder ein paar am Straßenrand oder spazieren sorgenfrei über die Straße.
Der im Reiseführer vorgeschlagene Stellplatz an einer Bootsanlegestelle gefällt uns dieses Mal nicht und so suchen wir uns selber (das ist hier nicht allzu schwierig) ein - wieder einmal - wunderschönes Plätzchen: Direkt neben dem Meer, mit eigenem Grün vor der Wohnmobil-Haustür, ein paar Schafen rundherum und sonst fast nichts ...
Aja, da ist dann noch der unwahrscheinliche rote Sonnenuntergang ...
Stellplatz Achill Island
Geschotterter Parkplatz
einsam
An Chlo ch Mhó r, Achill Island
GPS: N 53,87719°   W 9,96667°
 
Bilder: 31.07.2016
 

Bilder: 3. Etappe
2. Etappe4. Etappe
 
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