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Reiseberichte 

Berlin - Polen - Baltikum - 2012 (Teil 2) 

Kuchl - Alleenstraße (D) - Berlin - Slubice (PL) - Leba - Frische Nehrung -  Marienburg - Oberlandkanal - Heiligelinde - Wolfsschanze - Berg der Kreuze (LT) - Riga (LV) - Vidzeme - Häädemeeste (EST) - Warschau (PL) -  Kuchl (4464 km)


14. bis 25. August 2012 4464 km
Übersicht1. Etappe2. Etappe3. Etappe
Vorwort, Statistik, EtappenKuchl - BerlinPolenLitauen, Lettland, Estland, Warschau

2. Etappe:

Fotoalbum 2. Etappe

Berlin (D) - Slubice (PL) - Leba - Frische Nehrung - Marienburg - Oberlandkanal - Heiligelinde - Wolfsschanze - Irgendwo (LIT) (1271 km)
 
(zum Vergrößern auf die Karte klicken ...)
 
Tag 3Do. 16.08.2012
Berlin (D) - Slubice (PL)797 - 903 km (106 km)
Reisezeit 16:30 - 19:00 Uhr2 Stunden 30 Minuten
 Bei Frankfurt an der Oder überfahren wir die Grenze nach Polen. Kein einziger, gestrenger Zollbeamter will uns bei der Einreise in das EU-Land kontrollieren. Nur eine verlassene Grenzstation erinnert noch an den Übergang zum ehemaligen Ostblock. Im Reiseratgeber "Mit dem Wohnmobil nach Polen" wird ein großer Bazar in Slubice empfohlen und genau dorthin wollen wir. Da es aber schon Abend wird, suchen wir uns zuerst einen Platz zum Übernachten ...
Zwischengeschichtl:
"Was, ihr wollt im Urlaub nach Polen fahren? Dort wird doch gestohlen, gesoffen ..."
Solche Vorurteile hörten wir ein paar Mal während unserer Urlaubsplanung. Aber sind wir uns doch ehrlich: Welches Land, welche Bevölkerungsgruppe (wir Österreicher selbstverständlich mit eingeschlossen) sind nicht mit irgendwelchen dummen Vorurteilen belastet? Wir sind der Meinung, dass es am Besten ist, sich selbst ein Bild zu machen und ein bisschen Vorsicht schadet in keinem Fall, egal wo man sich befindet:
Slubice - der erste Ort, den wir in Polen besuchen - liegt gleich hinter der Grenze und macht nun doch auf den ersten Blick einen - gefühlsmäßig - nicht besonders sicheren Eindruck. Viele Lokale mit großen, leuchtenden Werbetafeln, dann wieder einige zugesperrte Geschäfte. Abseits der Hauptstraße auch verfallene Häuser, einige Autowracks, herumsitzende Jugendliche, denen augenscheinlich fad ist und der, im Reiseführer angegebene, bewachte Parkplatz ist auch nicht zu finden ...
Ich möchte jetzt keineswegs die gängigen Vorurteile weiter schüren - vielleicht sind genau die an unserem unguten Gefühl schuld, oder es liegt einfach nur an der düsteren Wetterstimmung? Auf jeden Fall fühlen wir uns bei der Stellplatzsuche nicht besonders wohl, bis Sonja vorschlägt, bei der Kirche zu parken. Ein guter Vorschlag: Genügend Raum vorhanden, etwas abseits von der Hauptstraße und irgendwie gibt uns die Kirche ein Gefühl von Schutz und Sicherheit. Ich stelle mich neben ein paar Bäumen und versuche, jemanden zu finden, den ich fragen kann, ob wir bleiben dürfen - Leider niemand da.
Gegen 22:00 Uhr fährt ein Auto an uns vorbei in Richtung Pfarrhaus. Ich begebe mich durch die Dunkelheit zu dem Mann, der gerade aussteigt -ein Geistlicher: "Guten Abend, Entschuldigung, sprechen Sie deutsch oder englisch" Aus dem darauf folgenden polnischen Wortschwall und seinen Gesten erkenne ich unschwer, dass er mich nicht versteht - Russisch wäre eine Alternative, die wir leider durch meine Unkenntnis wieder streichen müssen. Ich versuche ihm trotzdem auf deutsch und englisch zu erklären, dass wir gerne hier übernachten möchten und ob das möglich wäre. Er versucht mir auf polnisch und russisch zu erklären, dass er nicht der "Hauptpfarrer" sei und mal nachfragen müsste. Nach einigen Minuten Warten in der Dunkelheit, kommt der erste Geistliche mit einem zweiten Geistlichen zurück, der mir auf meine obligatorische Frage nach Deutsch oder Englisch, folgende Antwort gibt: "Hallo - Wie geht es Ihnen - Alles kaputt - Chaos". Dies sind also wahrscheinlich die einzigen deutschen Sätze, die er spricht und - Nein, ich spreche wiederum leider kein Russisch.  Beide Geistlichen geleiten mich ins Pfarrhaus, man müsste noch den Hauptpfarrer fragen - zumindest verstehe ich das so. Nach zehn Minuten kommen sie zurück und erklären mir im einwandfreien polnisch-russischen Kauderwelsch, dass ich - in Gottes Namen - gerne neben der Kirche übernachten darf ... 
 
Heilige-Geist-Kirche Slubicekostenlos
ParkplatzPL-69-100 Slubice, Ulica Wojska Polskiego
 Mistkübel, N 52,35826°   E14,56210°
 
Tag 4Fr. 17.08.2012
Slubice (PL) - Leba903 - 1418 km (515 km)
Reisezeit 09:30 - 19:15 Uhr9 Stunden 15 Minuten
Zeitlich in der Früh besuche ich die hl. Messe und gemeinsam mit Sonja nach dem Frühstück den besagten Bazar. Ein Verkaufsstand nach dem anderen beherbergt hier Massen an Kleidern, Schuhen, Geschirr, Waffen, Souvenirs und gezählte 14 Friseurläden. Es gibt aber auch Obst, Gemüse und andere heimische Erzeugnisse. Für den, der ein bisschen handeln und feilschen will, ist dieser Bazar durchaus einen Besuch wert.
Zum Vergrößern klicken Sie bitte auf die Bilder ...Slubice - Bazar in Polen
 
Uns aber zieht es weiter. Auf Grund der Wettervorhersage (dank Handy, Navi und Netbook sind wir fast immer bestens informiert ...) haben wir unsere Route geändert. Zuerst wollten wir in Richtung Warschau - jetzt geht es an die Ostsee.
Nach dem wir uns ein paar polnische Zloty (Währung) eingetauscht und getankt haben, lassen wir die gut 500 km lange Reise gemütlich angehen. Wir kaufen uns am Wegesrand ein halbes Hühnchen und verspeisen es an einem idyllischen See.
Das Straßenbild ändert sich, je mehr wir uns der Ostsee nähern: Zuerst über neue, gut ausgebaute Autobahnen, danach über die berühmt, berüchtigten Landstraßen, auf denen die LKW's, Traktoren und auch Wohnmobile ganz rechts auf den Pannenstreifen ausweichen, um eine unfallfreies Überholen der anderen Verkehrsteilnehmer zu ermöglichen. Teilweise befahren wir dann auch schon mal Schotterstraßen. Die letzten 40 Kilometer geht die Fahrt auf einer schmalen Landstraße, die wie ein Fleckerlteppich aussieht, dahin. Äußerst mühsam, mit höchstens 60 Stundenkilometer und sehr geräuschvoll sich hier so fort zu bewegen. 
Zum Vergrößern klicken Sie bitte auf die Bilder ...Straßen in Polen
Wir schaffen es trotzdem und erreichen Leba gegen 19:00 Uhr. Diese Kleinstadt an der Ostsee ist ein - in Polen - bekannter Badeort und berühmt für seine Wanderdünen, die wir morgen besuchen wollen.

Vorerst stellen wir unser Womo auf einem Parkplatz direkt neben dem Meer ab und genießen den Seeduft, das noch warme Wasser, den herrlichen Sonnenuntergang und ein köstliches, aber sehr günstiges Abendessen ...
Fremdenverkehrsort Leba in PolenZum Vergrößern klicken Sie bitte auf die Bilder ...
 
Übernachtungsplatz LebaÜbernachtung kostenlos
Parkplatz am Meer - betoniertPL-84-360 Leba, Ulica Turystyczna
Parkgebühren von 09:00 bis 17:00 Uhr:
15 PLN = € 3,68
GPS: N 54,76386°
E 17,53305°
 
Tag 5Sa. 16.08.2012
Leba - Frische Nehrung1418 - 1531 km (113 km)
Reisezeit: 16:10 - 19:50 Uhr3 Stunden 40 Minuten
Die Nacht verläuft ruhig - wir fühlen uns sicher. Wir stehen neben einem Zaun der ein militärisches Sperrgebiet umschließt. Am Morgen führe ich wieder ein Gespräch mit Igor, den wir schon am Vorabend kennen gelernt haben. Er ist Wachsoldat und spricht dank seiner deutschen Großmutter ein bisschen unsere Sprache. Igor ist ein muskelbepackter junger Pole mit Glatze. Er redet wie ein Wasserfall und erzählt mir von früher, von den Deutschen, von den Russen, von den Polen und von jetzt. Unser, mit Betonplatten befestigter, Parkplatz befindet sich auf einer riesigen Bunker-Anlage aus der NS-Zeit. Hier wurden während des Krieges Raketen produziert. Jetzt dient das abgesperrte Gelände als Feriendorf für Militärangehörige. Ganz in der Nähe befindet sich die Ruine der alten Nikolaikirche und die großen Düne, die wir nun besuchen wollen ...  
Zwischengeschichtl:
Wir haben schon die größte Düne Europas (Dune de Pyla)  in Frankreich kennen gelernt und sind nun gespannt auf das polnische Gegenstück. Also radeln wir die drei Kilometer zum Eingang der "Lontzkedüne". Sie ist zwischen 32 und 40 Meter hoch, ca. 1300 Meter lang und 500 Meter breit und damit die größte Düne an der Ostsee. Wir bezahlen 12 PLN = € 2,94 für zwei Personen und fahren die restlichen 6 Kilometer (die man auch zu Fuß oder mit einem kostenpflichtigen Elektrozug bewältigen kann) durch den Kieferwald weiter. Die Düne liegt auf der 17 km langen Nehrung (schmale Landzunge) zwischen dem Lebasee und dem Meer. Als Bergerprobte Österreicher erklimmen wir barfuß den großen Sandhügel und stürmen weiter Richtung Strand, um hier ein wenig spazieren zu gehen. Genau hier beginnt unser kleines Abenteuer: Während die anderen, braven Dünenbesucher entweder am Strand oder wieder über den eingezäunten Bereich den Rückweg antreten, kommt bei mir der Gedanke auf, die umliegende Natur ein wenig zu erkunden. Sonja ist schnell überredet (sie vertraut mir fast blindlings) und so geht es ab in die unberührte Natur. Und am Anfang genießen wir die Ruhe, freuen uns an kleinen, lieblichen Blümchen im Sand und entdecken dutzende, interessante Tierspuren. Es geht teilweise über immer höher werdende Sandhügel und auf der anderen Seite durch moorige Wälder. Umgestürzte Bäume erinnern an Urlandschaften, wie man sie nur aus "Herr der Ringe" oder "Harry Potter" kennt. Einfach herrlich - diese unberührte Landschaft ...

... Naja ganz so herrlich ist sie dann auch wieder nicht: Die bösartigen Gelsen und Bremsen stören doch ein wenig, indem sie sich unsere Körper als geeignete Nahrungsquelle aussuchen. Die Sonne brennt herab, das Moor wird immer mooriger - heißt nässer, so dass wir bis zu den Knöcheln einsinken.  Überall sind Spinnennetze zwischen den Bäumen gespannt. Diese Fäden und die dazugehörenden Spinnen bleiben immer mehr auf unseren Körpern hängen  ...
Zu allem Überfluss ist Sonja der Meinung, dass wir rechts gehen müssen und ich bin der festen Überzeugung, dass wir nur nach links wieder aus dieser unberührten Landschaft heraus kommen. NEIN - wir haben uns natürlich nicht verlaufen, das passiert höchstens ein paar Flachlandindianern - aber sicher nicht uns: den gebirgserprobten "Schluchtenscheissern" (netter Spitzname meiner Hamburger Feuerwehrfreunde) ...
Nach einer guten Stunde in der einsamen Wildnis heißt es nun kühlen Kopf bewahren - was bei der sengenden Hitze gar nicht so einfach ist. Wie ich es als Feuerwehrkommandant gewohnt bin, erkunde ich die Lage, analysiere und beurteile haarscharf die Fakten und komme zu dem Entschluss, dass wir uns ein bisschen verlaufen haben. Ich bilde zusammen mit Sonja (sonst ist ja auch niemand anders da ...) die gemeinsame Einsatzleitung und wir können uns nach einigen Diskussionen zu folgendem Kompromiss durchringen: Wir verlassen auf Anordnung von Sonja fluchtartig das Moor und erklimmen die danebenliegende, steile Sanddüne (sie ist wirklich so steil, dass wir im herunterrieselnden Sand immer wieder abrutschen, ich reiße sogar einen oberschenkeldicken Baum beim Anhalten aus ...) und halten uns dann nach meinem Dafürhalten nach links.
Als unsere Wasservorräte zur Neige gehen ;-)) hören wir endlich menschliche Stimmen - gerettet!!! Noch einmal müssen wir durch den moorigen Wald und dann können wir die verdutzten Gesichter der, auf normalen Wegen, wandernden Menschen mit innerer Freude erblicken. Das nächste Mal bleiben wir auch wieder auf den beschilderten Pfaden ...
Zum Vergrößern klicken Sie bitte auf die Bilder ...Lontzkedüne in der Nähe von Leba - Polen
 
Glücklich wieder in der Zivilisation zu sein, radeln wir entspannt zurück. Für das Museum auf der Mitte des Weges (hier war gegen Ende des 2. Weltkrieges die V2-Rakete stationiert) haben wir eigentlich kein Interesse. Besser gefällt uns da schon ein fast hohler Apfelbaum am Wegesrand, der trotz des großen Loches, das seinen Stamm ziert, noch Früchte trägt ...
Zum Vergrößern klicken Sie bitte auf die Bilder ...
Bei unserem Womo wieder angekommen, genießen wir nach einem weiteren Gespräch mit Igor, dem Wachesoldaten; noch einmal das Meerwasser, um uns nach der anstrengenden Tour, etwas ab zu kühlen. Im Gegensatz zu den südlichen Ländern schmeckt hier das Wasser fast gar nicht salzig. 
 
Frisch gebraust und wieder fit geht es weiter. Vorbei an Danzig der Küste entlang in Richtung "Frische Nehrung". Dies ist eine 70 km lange, aber sehr schmale Landzunge von einigen hundert Metern Breite, die das "Frische Half" von der Ostsee abtrennt. In diesem Naturpark wurde durch die Aufforstung mit Kiefern die Versandung gestoppt. Die größte Siedlung heißt Krynica Morska, sie ist ein beliebter Badeort. Ansonsten gibt es nur wenige Dörfer und wir fahren weiter bis kurz vor Piaski. Auf einem Waldparkplatz lassen wir uns gemütlich nieder, um den relativ einsamen Strand in ca. 100 Meter Entfernung zu erkunden. Auch wollen wir in diesem lauschigen Kiefernwald - ein paar Kilometer vor der russischen Grenze (Oblast Kalinigrad) - die Nacht verbringen.
Übernachtungsplatz vor PiaskiÜbernachtung 15,-- PLN = € 3,68
Waldparkplatz (Parking Lesny)Zwischen PL-82-120 Krynica Morska und Piaski
einsam und teilweise ein bisschen schief, wird am Tag als Bade-Parkplatz genütztGPS: N 54,41357°
E 19,54489°
 
Tag 6So. 17.08.2012
Frische Nehrung - Marienburg - Oberlandkanal1531 - 1600 - 1655 km (124 km)
Reisezeit: 14:31 - 19:50 Uhr5 Stunden 19 Minuten
Den nächsten Tag nützen wir nach einem herrlichen Frühstück zum Faulenzen, Baden und zum Bernstein suchen, wenn wir schon an der gleichnamigen Küste sind. Nach dem Sonja sogar kleine Bernsteine findet, ist die Welt in Ordnung und einfach nur schön.

Am Nachmittag verabschieden wir uns vorerst einmal, entspannt vom Meer und fahren weiter in Richtung Masuren. Auf dem Weg dahin, lassen wir uns einen geräucherten Fisch mit vielen Gräten schmecken und nützen die Zeit, um für unsere Daheimgebliebenen Geschenke ein zu kaufen.
Zum Vergrößern klicken Sie bitte auf die Bilder ...Frische Nehrung - Bernsteinküsten - Polen
 
Ständiger Begleiter auf unserer Fahrt durch den Norden Polens sind die unterschiedlich geschmückten Kreuze in den Dörfern. Wir machen dutzende Fotos davon und auch von den vielen Störchen, die uns begleiten. Nächstes Ziel ist Marienburg - die höchste Ziegelburg nördlich der Alpen, das weltweit größte Backsteinschloss usw. Die Burg war früher Sitz der Hochmeister des Deutschen Ordens in Ostpreußen und gilt unter Kennern als die schönste Ritterburg Europas. Wir können nach unserem kurzen Besuch diese Superlativen - soweit es unseren diesbezüglichen fachlichen Kenntnissen entspricht - bestätigen.
Zum Vergrößern klicken Sie bitte auf die Bilder ...Marienburg: N 54,04163°   E 19,02459°
 
Danach fahren wir weiter zum Oberländer Kanal, wo eine besondere Besonderheit auf uns wartet ...
Nein - mir ist unverständlich, wie Sie jetzt auf einen herrlichen Sonnenuntergang kommen? Ja - den erleben wir zwar am Kanal bei Jelonki auch, aber den meine ich nicht.
Die Besonderheit, die ich meine, ist der um 1860 erbaute Oberlandkanal. Dieser verbindet einige Seen von Ilawa über Ostróda bis nach Elblag. Nach dem wir heuer schon das Wunderwerk der Technik des (fast einzigartigen) Schiffskanals in Briare (F) über die Loire (Reisebericht: Durch das Loiretal nach Paris - 2012) bewundert haben, reizte uns natürlich auch dieser 129,8 km lange Kanal in Polen, der unter Denkmalschutz steht.
Das Besondere an dieser Besonderheit sind die fünf Rollberge - schiefe Ebenen, an denen die durchfahrenden Schiffe auf den Hang über Wiesen hinauf bzw. hinunter gezogen werden, um die Höhenunterschiede zwischen den Seen zu überwinden. Genau an so einer Anlage schlagen wir in der "Pampas" unser Nachtlager auf.  
Übernachtungsplatz Oberlandkanal bei Jelonkikostenlos
Schotterplatz neben dem Treppelwegca. 150 Meter abseits der Landstraße
Schaut einsam aus, ist in der Nacht durchaus mit "Verkehr" belastetGPS: N 54,03730°
E 19,57461°
 
Tag 7Mo. 20.08.2012
Oberlandkanal (PL) - Heiligelinde - Wolfsschanze - Irgendwo (Lit)1655 - 1781 - 1803 - 2068 km (403 km)
Reisezeit: 10:05 - 22:48 Uhr12 Stunden 43 Minuten
Damit die Schiffe über die Wiesen gezogen werden können, gibt es diese Anlagen, die wie eine Standseilbahn funktionieren. Sie werden durch Wasserkraft seit über 100 Jahren so angetrieben. Bei meiner morgendlichen Nordic-Walking-Tour finde ich unter dem Schienenwagen einen Arbeiter liegend, der mit der Wartung beschäftigt ist. Er erklärt mir auf meine Frage in einwandfreiem Polnisch - oder ist es Russisch - dass die nächsten Schiffe laut Fahrplan erst am Nachmittag gegen 16:30 Uhr erscheinen werden. Schade, denk ich mir und bin mehr als erfreut, als Sonja während des Frühstücks ein Boot erspäht. So kommen wir in den Genuss, dieses Wunderwerk live miterleben zu dürfen ... 
Oberlandkanal - PolenZum Vergrößern klicken Sie bitte auf die Bilder ...
 
Weiter geht es auf unserer Reise durch die Masuren, der größten Seenlandschaft Polens. Am Wegesrand begleiten uns - wie schon erwähnt - viele Störche und die verschiedenen Wegkreuze. Unterwegs kommen wir in ein so heftiges Gewitter, dass ich unser Womo neben einer Holzkirche abstelle. Alles Schleusen des Himmels haben sich geöffnet und der Sturm geht so stark, dass er dicke Äste von den Bäumen reißt. Danach dauert es nicht lange und die Sonne lacht uns wieder zu. Nach gut 125 Kilometer erreichen wir Heiligelinde. Die Wallfahrtskirche im gleichnamigen Ort ist ein barockes Juwel und beherbergt einen sehr bekannten polnischen Marien-Schrein. Die dreischiffige Basilika leuchtet uns nach dem Gewitter im neu gefärbelten Rosa entgegen. Durch ein Schmiedeeisenes Tor aus dem 18. Jahrhundert betreten wir den Vorhof, um in die Basilika zu gelangen. Hier empfängt uns die Orgel mit den Klängen von Schuberts Ave Maria. Dazu bewegen sich die Figuren auf der imposanten Orgel (1719 - 1721). Äußerst beeindruckt setzen wir unseren Weg fort und wenden uns einem nicht so schönen Teil der Geschichte zu ...
Zum Vergrößern klicken Sie bitte auf die Bilder ...Heiligelinde: N 54,02761°   E 21,21880°
 
In der Nähe von Görlitz liegt das ehemalige, geheime Führerhauptquartier der deutschen Wehrmacht - Die Wolfsschanze. Von hier aus leitete Adolf Hitler den Krieg gegen die Sowjetunion und hier fand auch das misslungene Attentat durch Claus Schenk Graf von Stauffenberg und seinen Mannen auf Hitler statt. Gegen den Eintritt von umgerechnete € 4,-- pro Person (+ Parkgebühr für Womo € 5,--) kann man nun die halbzerstörten Bunker mit teilweise 8 Meter dicken Betonmauern und weiteren Relikten aus der Kriegszeit sehen.
Sonja und ich sind enttäuscht: Vor einiger Zeit besuchten wir das Dokumentationszentrum Obersalzberg in unserer unmittelbaren Nachbarschaft und waren hier vom respektvollen und aufklärenden Umgang mit der Vergangenheit beeindruckt. Hier bei der Wolfsschanze ist es leider ganz anders: Wir sehen ein verängstigtes Kind, dass mit einer Pistole auf seinen - in ehemaliger SS-Uniform gekleideten - Vater zielt, die Mutter zahlt € 10,-- für dieses gestellte Foto. Als ich das unmögliche Szenario festhalten will, versuchen mich zwei, in Militäruniform gekleidete, Männer zu verjagen. Im Innern der Wolfsschanze weist nur ein kleines Mahnmal auf das Attentat von Stauffenberg hin. Es gibt nur wenig Information und Dokumentation, außer man schließt sich vielleicht einer geführten Gruppe (war leider in Deutsch nicht möglich) an. Aus unserer Sicht hätten wir uns den Weg zur Wolfsschanze sparen können ...
Zum Vergrößern klicken Sie bitte auf die Bilder ...Wolfsschanze: N 54,07977°   E 21,49305°
 
Unsere Stimmung wird erst auf dem schönen Weg durch die Moore und Seen der Masuren wieder besser.
Nun müssen wir aber eine andere Entscheidung treffen: Nämlich - in welche Richtung soll es weiter gehen? Auf der einen Seite befinden wir uns in den Masuren und da gibt es sicherlich genug schöne Plätze, die man besuchen kann. Allerdings sagt der Wetterbericht für diesen Teil Polens in den nächsten Tagen nicht besonders gut an. Auf der anderen Seite liegt die Grenze nach Litauen in greifbarer Nähe. Das Wetter wäre laut Vorhersage dort auch etwas besser und mich reizt das unbekannte Baltikum doch sehr ....
Also - auf nach Litauen, Lettland und Estland. Wir sind uns bewusst, dass es in der verbleibenden Zeit unmöglich ist, viel von diesen Ländern zu sehen. Aber wir wollen ein bisschen schnuppern, erkunden, schauen, einen kleinen Eindruck von Land und Leute gewinnen, um irgendwann diesen östlichen Teil Europas näher kennen zu lernen ...
 
Ein langer, erlebnisreicher Tag geht zu Ende, nach dem wir die Grenze zu Litauen - wieder einmal ohne dass wir einen Grenzsoldaten gesehen haben (EU-Land) - passiert haben. Irgendwo lassen wir uns nieder und genießen die noch in Polen eingekauften, köstlichen Schweinsmedaillon, bevor wir uns am nächsten Tag zu unserer dritten Etappe auf den Weg machen ...
Auf der Fahrt nach LitauenZum Vergrößern klicken Sie bitte auf die Bilder ...
 

Fotoalbum 2. Etappe
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