Gästebuch
 Startseite nach rechts Reiseberichte nach rechts Berlin - Polen - Baltikum  - 2012 nach rechts 1. Etappe

Reiseberichte 

Berlin - Polen - Baltikum - 2012 (Teil 1) 

Kuchl - Alleenstraße (D) - Berlin - Slubice (PL) - Leba - Frische Nehrung - Marienburg - Oberlandkanal - Heiligelinde - Wolfsschanze - Berg der Kreuze (LT) - Riga (LV) - Vidzeme - Häädemeeste (EST) - Warschau (PL) -  Kuchl (4464 km)


14. bis 25. August 2012 4464 km
Übersicht1. Etappe2. Etappe3. Etappe
Vorwort, Statistik, EtappenKuchl - BerlinPolenLitauen, Lettland, Estland, Warschau

1. Etappe:

Fotoalbum 1. Etappe

 

Kuchl (A) - Allenstraße (D) - Berlin (797 km)
Kuchl - Berlin 
(zum Vergrößern auf die Karte klicken ...)
 
Tag 1Di. 14.08.2012
Kuchl (A)- Nürnberg-Feucht (D)0 - 309 km
Reisezeit: 20:04 - 00:15 Uhr4 Stunden 11 Minuten
 Täuscht es mich oder verschieben sich meine streng geplanten Abfahrtszeiten in immer größeren Ausmaß nach hinten? Jetzt weiß ich nicht, ob daran die Nacharbeiten zu unserem jährlichen großen Seefest der Freiwilligen Feuerwehr Kuchl schuld sind oder ob es doch an meiner - ansonsten allerliebsten - Gattin liegt? Egal, ich werde der Sache bei Gelegenheit auf den Grund gehen - aber jetzt ist erst einmal Urlaub angesagt ...


Unser Womo "Sunlight" ist voll gepackt, aufgetankt, mit frischem Kuchler Quellwasser befüllt und Sonja ist nun auch an Bord - es kann endlich los gehen. Unser Hausberg - der Hohe Göll - leuchtet uns zum Abschied im romantischen Abendrot herüber.

Sobald ich hinter dem Steuer sitze und dem Sonnenuntergang entgegenfahre, ist der Stress der letzten Tage vergessen und es kommt Freude auf ...


Direkt neben dem Chiemsee machen wir die erste Rast und genießen das Abendmahl. Anschließend geht es über die Autobahn A9 weiter in Richtung Berlin.

Auf der Autobahnraststätte in Feucht bei Nürnberg geht es trocken zu, ich stelle unser Womo ohne größere Bedenken auf dem Parkplatz ab und begebe mich zur wohlverdienten Ruh ...
Autobahn-Parkplatz Nürrnberg-Feucht (D)kostenlos
WC, Restaurant, Mistkübel, ...A 9 - 90537 Feucht
 
Tag 2Mi. 15.08.2012
Nürnberg-Feucht - Deutsche Alleenstraße - Berlin309 - 634 - 797 km (488 km)
Reisezeit: 07:26 - 17:04 Uhr9 Stunden 48 Minuten
Ansonsten bekannt als ausgesprochener und fanatischer Langschläfer, reißt es mich immer bei unseren Wohnmobilreisen ungewöhnlich früh aus dem Bett. Sonja döst noch ein bisschen dahin und ich fühle mich wie ein Kapitän auf der Landstraße. Mein Name ist Rupert Unterwurzacher - Käpitän Rupert Unterwurzacher. Nachdem wir ein lauschiges Plätzchen für das Frühstück gefunden haben, steuere ich unser Schiff - äh Wohnmobil - weiter auf der Autobahn bis zur Lutherstadt Wittenberg.
Hier geht es runter von der Autobahn - wir wollen einen Teil der "Deutschen Alleenstraße" befahren. Irgendwann habe ich im Fernsehen einen Bericht darüber gesehen und Gott sei Dank fallen mir diese Berichte immer wieder auf unsern Reisen ein, um spontan einen Abstecher zu machen. Und die Fahrt von Wittenberg über Groß- bzw. Klein-Mahrzehns, Wiesenburg, Bad Belzig, Lütte, Colzow nach Cammer lohnt sich auf alle Fälle ...
Sonja und ich lieben Fahrten auf Straßen mit langen Alleen und genau das haben wir in diesem schönen Teil Deutschlands - der früheren DDR - gefunden. Die Straßen werden allmählich etwas holpriger. Speziell in den Ortsdurchfahrten klappert es im Wohnmobil schon ziemlich gehörig, hervor gerufen durch Kopfsteinpflaster und ähnlich unruhige Straßenbeläge. Aber nicht nur daran merkt man, dass wir uns immer mehr in Richtung Osten bewegen: Neugierig - wie ich nun mal bin, frage ich höflich - wie ich es zu Hause gelernt habe - einen - quasi - Einheimischen, warum den alle Alleenbäume grün nummeriert seien? Kurz und knapp angebunden, gab er mir eher widerwillig folgende Auskunft: "Jeder Baum nummeriert - Deutsches Denkmalamt - Umweltschutz!". Kein "Grüß Gott - Hallo" oder sonst etwas Ähnliches. So könnte man sich - laienhaft und mit Vorurteilen behaftet (was wir ja Gott sei Dank nicht sind) - einen preußischen Offizier vorstellen ...
Zwischengeschichtl:
Bei Cammer entdecken wir eine Windmühle und halten natürlich an. Wir beobachten drei Herren, die mit der Reparatur des Zaunes beschäftigt sind. Zwei arbeiten - einer hat den Überblick und gibt die Anweisungen. Dieser offensichtlich "Ranghöchste" - ich nenne ihn gedanklich "Carl-Ludwig" - ist auch etwas gesprächiger und lädt uns ein, mit ihm die Mühle zu besichtigen. Carl-Ludwig ist Vizepräsident des örtlichen Dorf- und Heimatvereins und in dieser Funktion für  die Erhaltungsarbeiten der Bockwindmiühle verantwortlich, da - wie uns Carl-Ludwig erklärt - der Präsident ein "Schreiberling" ist und daher für die körperlichen Arbeiten eher weniger Zeit hat. Die Mühle wurde gegen 1700 errichtet und hat eine lebhafte Geschichte hinter sich. Nach der Stilllegung 1951 verfällt sie langsam - 1984 beginnen die Restaurationsarbeiten, die mit einem von 10000 Menschen besuchten Einweihungsfest abgeschlossen werden. 1997/98 wird die Mühle wegen Statik-Problemen noch einmal zerlegt und wieder aufgebaut. Carl-Ludwig erzählt uns weiter, dass die Erhaltungskosten der Gemeinde zu hoch werden und daher diese Aufgabe eben an den Dorf- und Heimatverein abgegeben werden. Keine leichte Aufgaben, denn wenn es um die Arbeit geht, sind leider immer nur die gleichen fünf arbeitswilligen Vereinsmitglieder anwesend.
Das Interessante an "fremden Ländern" ;-)) sind neben den Landschaften und Sehenswürdigkeiten natürlich die Menschen und so habe ich den Carl-Ludwig auch sonst noch Einiges gefragt: z.B. was sich seit der Wiedervereinigung im ehemaligen Arbeiter- und Bauernstaat geändert hat. "Wir hatten früher alles, was wir zum Leben gebraucht haben und wir haben jetzt alles. Früher haben wir vielleicht etwas mehr gefeiert. Wenn man etwas erreichen will, muss man dafür eben etwas tun und arbeiten. Da hat sich nichts geändert. Die Einstellung der Jungen ist hingegen gänzlich anders geworden. Sie haben weniger Arbeit und mehr Stress und schätzen dadurch den erreichten Lebensstandart eher negativ ein, obwohl es uns im Großen und Ganzen sehr gut geht ..." war die interessante Meinung von Carl-Ludwig ...

Bockwindmühle Cammer: N 52,26237°   E 12,66000°
 
Für die ausführliche und interessante Führung durch die Mühle von Cammer bedanken wir uns mit einer kleinen Spende. Das Wohlwollen des örtlichen Dorf- und Heimatvereines ist uns deshalb sicher. Mit der Gewissheit, ein aufstrebendes Land nicht nur im Gedanken sondern auch materiell unterstützt zu haben, geht es weiter - an ehemaligen Wachtürmen vorbei - nach Berlin ...
 
Mit etwas Stau erreichen wir Berlin. Der eingeplante offizielle Stellplatz ist leider bummvoll. Wie einige andere Wohnmobilreisende auch, stellen wir unser Womo in eine Seitengasse, neben einem Park. Danach geht es voll Tatendrang mit der Metro laut Plan - vier Stationen bis ins Zentrum. Nach nur einer Station verlassen nun plötzlich alle Wissenden die Metro und wir zwei nichtwissenden Österreicher sitzen ziemlich vereinsamt alleine in der Bahn ??? Wir zwei steigen nun doch auch aus, ich komme mir - was sehr selten vorkommt - ziemlich blöd vor - wir steigen, mangels Alternativen, in die immer noch wartende Garnitur wieder ein und - plötzlich fahren wir los. Aha ...
Als wir an unserem ursprünglichen Einstiegsort wieder ankommen und aussteigen, komme ich mir irgendwie noch ein bisschen blöder vor als vorher. Erst als wir einen Berliner (die sprechen ja alle zu unserem Glück halbwegs Deusch) um Rat fragen, klärt sich die Sache auf: Ein Metro-Baustelle erfordert ein Umsteigen auf eine andere Garnitur, die rückwärts wieder raus fährt und dann die richtige Richtung einschlägt - man lernt nie aus ...
 
Die Hauptstadt Deutschland empfängt uns nach einigen Umwegen, als eine besondere und laut unserer Meinung - gelungene Mischung zwischen Alt und Jung. Es wird noch immer sehr viel gebaut und die bekannten, älteren Gebäude haben sowieso ihren eigenen Reiz. Wir bummeln an der Spree entlang zum Reichtagsgebäude, genießen auf Kosten des deutschen Olympiasiegers Martin Häner (Hockeymannschaft) ein Gläschen Sekt (erst als wir uns am bereitgestellten Buffet laben wollen, erfahren wir, dass dies nur für die VIP-Gäste vorgesehen wäre ...), erleben am Brandenburger-Tor den Sonnenuntergang, lassen uns - natürlich - eine Original Berliner Currywurst schmecken und genießen an diesem lauen Sommerabend das Ambiente von Berlin. Zum Abschluss machen wir uns bei einer lehrreichen Film- und multimedialen Lichtprojektion, an der Fassade des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses, auf die Spurensuche vom Reichstag zum Bundestag, die uns die parlamentarische, 130 Jahre alte, deutsche Geschichte näher bringt.
Zum Vergrößern klicken Sie bitte auf die Bilder ...Berlin - Hauptstadt Deutschland
 
Müde kehren wir zu unserem Wohnmobil zurück. Hier wartet - man glaubt es kaum - ein Fuchs vor der Tür und lässt sich - ganz ungern - erst mit Mühe verjagen.
 
Stellplatz Reisemobilstation Berlin-MittePreis laut Internet: € 18,--
Offizieller Stellplatz, geschottertWegen Überfüllung standen wir hinter dem eingezäunten Areal - kostenlos
WC, V + E, Mistkübel,GPS: N 52,53609°
E 13,36832°
 
Tag 3Do. 16.08.2012
 Berlin
Reisezeit 07:00 - 16:30 Uhr9 Stunden 30 Minuten
Nach einer morgendlichen Nordic-Walking-Tour durch Berlin machen wir uns entlang der ehemaligen Mauer auf den Fußweg ins Zentrum. Nach einer halben Stunde erreichen wir das Brandenburger Tor und fahren zum ersten Mal mit einem Sight-Seeing-Bus mit (€ 15,--). Auch keine schlechte Sache, um eine Stadt zu erkunden. Wir sehen viele Botschaften (die österreichische ist aus unserer Sicht die Hässlichste ...) und fast alle bekannteren Sehenswürdigkeiten (Brandenbuger Tor, Potsdamer Platz, Alexanderplatz, Kurfürstendamm, Reichstag, Fernsehturm, Museumsinsel, Gedächtniskirche, Siegessäule, Gendarmenmarkt, Nikolaiplatz, Hinter den Linden, Checkpoint Charlie, Zoo, Fernsehturm, Holocaust-Mahnmal, Hauptbahnhof, usw. ....)
Buh - Alleine vom Aufzählen werde ich schon fertig ;-)). Also lassen wir lieber ein paar Bilder sprechen:
Zum Vergrößern klicken Sie bitte auf die Bilder ...Berlin - Hauptstadt Deutschland
 
Berlin macht auf uns einen sehr geschäftigen Eindruck. Ein bisschen hektisch, aber immerhin wohnen ja auch über 3,5 Millionen Einwohner in der deutschen Hauptstadt. Nach dem noch immer viel gebaut wird, wird sich auch dementsprechend das Stadtbild weiter ändern und vielleicht kommen wir ja mal wieder hier her, um Berlin unsere Aufwartung zu machen. Außerdem haben wir erst später daran gedacht, dass auch ein paar unserer Verwandten hier ihre Zelte aufgeschlagen haben und das wäre natürlich auch ein Grund für einen Wiederbesuch ...
Nach diesem gemütlichen Besichtigungstag in Berlin brechen wir gegen 16:30 Uhr in Richtung Polen auf. Aber dazu mehr im zweiten Teil ...
 

Fotoalbum 1. Etappe
Übersicht2. Etappe
 
nach oben ...... zurück