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Reiseberichte

Städtereise (Nord- und Mittelitalien) 2010 - 3. Etappe


27. März - 04. April 2010   1806 km
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Venzone, Venedig,Padua, Florenz,Siena,  Castiglione, Perugia,Assisi, Heimfahrt,

 
3. Etappe:
Siena
Tag 531.03.2010
 Tavanuzze - Siena
 745 -809 km (64 km)
Reisezeit 11:55 - 12:55 Uhr1 Stunde
Am nächsten Morgen wurde ich gegen 10:15 Uhr etwas nervös, da sich an meinem Wohnmobil reparaturmäßig absolut nichts tat. Erst als sich der jüngste Spross der Familie Rossi aufs Rad schwang und nach einer Viertelstunde mit einem Päckchen von der Post kam, beruhigte ich mich wieder. Unser Fahrzeug kam in die Werkstatt und als wir nach einem Besuch eines Wochenmarktes wieder zurückkehrten, lachte uns unser Wohnmobil wie neugeboren entgegen. Der Preis von € 220,-- wurde eingehalten und wir verabschiedeten uns von der netten Mechanikerfamilie Rossi im perfekten italienisch.
Wetter: heiterDanach ging es auf dem schnellsten Wege (sprich: äußerst unattraktive Autostrada - schmutzig und holprig - ein überall anzufindender Zustand in Italien) nach Siena, wo unsere Freunde - Heidi und Sepp - schon auf uns warteten. Auf einem gebührenfreien Parkplatz außerhalb der Stadtmauern stellten wir unser Wohnmobil, das wieder wie ein Glöcklein lief, ab und machten uns zu Fuß auf in die Innenstadt der ca. 55.000 Einwohner zählenden Stadt.
 
must see - Absolut sehenswert!Siena befindet sich mitten im Zentrum der Toskana und wurde auf drei Hügeln zwischen den Flüssen Elsa und Arbia erbaut. Seit 1995 gehört die historische Altstadt zum UNESCO-Welterbe und wenn man das als Laie sagen darf: absolut zu recht! 
Zwischengeschichtl:
Man könnte ja oberflächlich sagen, jeder Ort, jede Stadt in der Toskana ist ziemlich gleich: Enge Gassen, schöne Plätze, viele Heilige, noch mehr Kirchen (die sich ebenfalls oftmals sehr ähnlich sind), viele (Ramsch-)Andenkenläden, unzählige Eis- und Pizzaläden, auch einige (organisierte) Bettelbrigaden, unvorstellbar viel Müll in den Aussenbezirken neben den Straßen usw.
Aber mit ein bisschen Gespür merkt man speziell in der Toskana bald, dass die Orte nicht nur schöne und typische Bauten und Strukturen aufweisen, sondern dass jeder dieser Orte ein gewisses eigenes Flair und Charisma entwickelt. Speziell die Innenstadt von Siena hat für mich solch eine eigene Ausstrahlung und da ist sicherlich nicht die "Nutella-Pizza" gemeint. Aus diesem Grund wird diese Reise hundertprozentig auch nicht unsere letzte Toskanareise gewesen sein ...
 
Schon beim Anstieg durch die romantischen Gassen von Siena begrüßte uns hinter einem Vorhang eine schüchterne Schönheit ...
 
Mehr als beeindruckend ist das Gefühl, wenn man von einer der Einkaufstraßen auf den berühmten Hauptplatz "Piazza del Campo" einbiegt, auf dem sich das Rathaus (Palazzo Pubblico) mit dem 102 Meter hohen Turm (Tore del Mangia) und der "Fonte Gaia" - der Brunnen der Freude befindet.   
 
Umrahmt ist der leicht abschüssige Platz von vielen Restaurants und Cafes. Nachdem Sepp und ich einen solchen genossen und die Damen vom Shopping zurück gekehrt waren, ließen wir uns - wie viele andere - auf der seit 1347 bestehenden roten Packsteinpflasterung nieder.  
Zwischengeschichtl:
Als wir so friedlich auf dem Piazza del Campo die warme, italienische Sonne auf unsere müden Glieder scheinen ließen, fiel uns auf, dass zwei Polizeibeamtinnen eine anscheinend ganz wichtige Aufgabe hatten. Sie "maßregelten" jeden auf dem Platze, der sein Antlitz nicht in Richtung Rathaus richtete. Man glaubt es kaum, es gab wirklich so etwas wie eine "Sitzordnung": Alle mussten sich in eine Richtung setzen und auf keinen Fall durfte man sich niederlegen ...

Der halbrunde Piazza del Campo ist einer der schönsten Plätze Italiens. Richtig berühmt wurde er wegen dem "Palio di Siena" (Foto - Wikipedia). Eines der gefährlichsten Pferderennen, das jedes Jahr am 02. Juli und am 16. August, verbunden mit einem viertägigen Volksfest, auf diesem Platz veranstaltet wird. In einer Ausstellung im Rathaus haben wir beeindruckende Bilder gesehen und es muss ein Megaspektakel sein, wenn die Reiter aus den 17 Stadtteilen um das Palio (ein Tuch mit der Hl. Maria) kämpfen. Das Hauptrennen selber, an dem nur mehr die 10 besten Reiter teilnehmen dürfen, dauerte nur drei Runden (ca. 100 Sekunden) und ist eigenen Regeln unterworfen.
 
must see - Absolut sehenswert!Weiter ging unsere Stadtbesichtigung zum gotischen Dom von Siena (Cathedrale di Santa Maria Assunta) ...
Zwischengeschichtl:
Für mich muss eine Kirche nicht unbedingt prunkvoll sein, aber der Dom von Siena gehört mit seiner Fassade und den eingelegten Arbeiten (weißer und schwarzer Marmor) zu einer der schönsten Kirchen, die ich kenne. Ursprünglich sollte der Bau noch viel größere Dimensionen annehmen und den damaligen Petersdom an Größe und Pracht übertreffen. Irgendwann ging dann im 14. Jahrhundert aber das Geld aus. Anscheinend soll der jetzt zu sehende Teil nur das Querschiff des geplanten Doms werden.
Natürlich wollten wir dieses Kunstwerk auch von innen besichtigen und daher stellten wir uns an der Kassa für die Tickets, die sich an der Seite des Doms befindet an. Leider teilte man uns dort mit, dass wegen einer Hl. Messe leider kein Touristenbesuch an diesem Tag mehr möglich wäre. Das war jetzt aber wirklich schade und wir beobachteten am Eingang zwei Aufsichtsbeamte, die viele Leute am Besuch des Doms unbarmherzig hinderten. Ein paar Menschen, wahrscheinlich Einheimische, durften in den Dom eintreten. Nach einiger Zeit öffneten sich die Pforten des gegenüberliegenden Hauses und eine ziemlich große Schar von (ich schätze mal so an die 80) Geistlichen machte sich in einer stillen Prozession auf den Weg in die Kirche. Wir überlegten schon, ob wir uns nicht daruntermischen sollten aber schließlich fasste ich mir ein Herz und fragte in einer kreativen Mischung aus Englisch, Italienisch, Kauderwelsch und Blindensprache: "Scusi, Signora, we would like to go to church, to  ...("pray" fiel mir nicht ein) ...  to God ...". Die gestrenge Aufsichtsbeamtin antwortete im perfekten Englisch: "O.K - go in, sit down, no flash, no video, be absolut quiet ..." und so durften wir überraschenderweise doch noch in den Dom ...
 
So konnten wir doch noch im Inneren die kunstvoll gravierten Marmorplatten am Boden, die achteckige Kanzel, die wunderschöne Kuppel, zahlreiche Köpfe ehemaliger Päpste und vieles mehr betrachten. Zusätzlich durften wir die Heilige Messe zusammen mit rund 80 Priestern feiern.   
 



Von Kirchen - oder besser gesagt: von Siena hatten wir noch immer nicht genug. Wir spazierten durch die Gassen zum Geburtshaus der Heiligen Catarina (Stadtheilige) und anschließend zur Basilika di San Francesco  
 
 
 
 




In einem netten kleinen Restaurant mit einem ebenso netten Kellner speisten wir hervorragend, (Toskanischer Rosmarinbraten) um anschließend den "Piazza del Campo" noch einmal bei Nacht zu genießen. 

Nach dem Spaziergang zum Parkplatz, auf dem unsere Womos standen, fielen wir todmüde ins Bettchen - quasi - heimische Bettchen ...
 
Übernachtungsplatz Parkplatz SienaNeben Verschubbahnhof - nicht empfehlenswert
 

 
2. Etappe4. Etappe
 
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